Nachdem die letzten Nachrichten um Signs of the Swarm alles andere als gut waren, freuen wir uns heute um so mehr euch die Review für ihr viertes Album „Absolvere“ präsentieren zu dürfen. Der neue Longplayer erscheint am kommenden Freitag, den 24. September 2021, über ihr Label Unique Leader Records. Falls ihr Fans von Deathcore seit, dann kann ich euch versprechen: an dieser Adresse seid ihr vollkommen richtig aufgehoben! Die aus Pittsburgh stammende Band tauchte Mitte der 2010er Jahre auf und erregte schnell die Aufmerksamkeit im Genre. Damals noch mit einem gewissen CJ McCreery am Mikrofon. Nachdem dieser die Band in Richtung Lorna Shore verließ wurde in David Simmonich ein würdiger Ersatz gefunden. Wobei, wenn ihr mich fragt, ein Ersatz ist David keineswegs. Eher ein Meilenstein in der Geschichte von Signs of the Swarm.

Signs of the Swarm legen mit dem Opener „Hymns ov Invocation“ sofort richtig gut los. Man merkt, dass die Band keinerlei Zeit verschwenden will. In weniger als 20 Sekunden beginnt der Track mi teinem bereits unheilvollen Aufbau, bevor es dann mit einer Raserei an David´s Screams und Growls, lodernden Blastbeats und dreckigen Deathcore-Riffs weitergeht. Der Eröffnungstrack legt somit ziemlich gut los und zeigt uns, dass wir uns auf einen verdammt heftigen Ritt vorbereiten sollten.

Mit Track Nummer 2 „Boundless Manifestations“ holen mich David und seine Jungs dann richtig ab. Wieder gibt es ein ordentliches Blast-Beat-Gewitter um die Ohren und natürlich dürfen sowohl Growls als auch Screams von David nicht fehlen. Aber schon jetzt fällt auf, dass SOTS nicht nur Wert auf ordentlich Härte legen, sondern eben auch mit Melodien spielen. Das Gitarren-Solo ist bereits eins meiner ersten Highlights auf dem Album. Mal abgesehen von den besonderen Vocals von David. Das Riff im Mittelteil klingt mal so gar nicht nach SOTS und könnte sich durchaus auch in einem Metalcore-Song wohlfühlen. Am Ende des Tracks gibt es dann eine Art Sprechgesang. So etwas haben wir zuvor auch noch nicht gehört.

Auf „Dreaming Desecration“ kommt unter anderem das Drumming besonders zum Vorschein. In der Mitte des Songs wartet ein verdammt genialer Breakdown auf uns. Und im Refrain dann der erste „Wow-Moment„, denn SOTS brillieren mit einem Clean-/Growl-Part. So etwas hört man in der heutigen Gangart des Deathcore das ein oder andere Mal, aber in diesem Fall macht das ganze wirklich Spaß und vor allem aber Bock auf mehr. Das ist ein wahnsinniges Kompliment meiner Meinung nach, denn nicht viele Bands in diesem Genre können das so gut rüber bringen wie beispielsweise Signs of the Swarm. Chapeu!

An der vierten Stelle wartet mit „Totem“ die erste Single-Auskopplung aus „Absolvere“ auf uns. Und bereits damals war uns klar, dass Signs of the Swarm keine Gefangenen machen werden. Die Worte von Drummer und Produzent Bobby Crow beschreiben den Song wohl am präzisesten:

‘Totem’ is a solid cross section of what to expect from Absolvere. Crushing riffs collide with insane drumming, all layered underneath explosive yet memorable vocals. We turned Dave (vocals) up in the mix, yet it doesn’t take away from the musicality at all; it complements it. Oh yeah, and this is far from the heaviest track on the album, so get ready.”

David selbst kommentierte noch folgende Worte direkt zum Video:

“I’m incredibly proud not only of the music and lyrics but also the video we did with Eric DiCarlo of SquareUp Studios. I get super involved with the visual aspect of our videos. In this case, I worked on the burning book, body paint and hands.

The hands grasping at me is a metaphor for us being pulled in different directions. The book is a reference to the line ‘bled my blood in the pages,’ which highlights us pouring our life into the band. The fire symbolizes how difficult dedication to the band makes managing the rest of our life. We wouldn’t have it any other way, though.”

Als Nächstes bekommen wir mit Nameless“ eine richtige Dampfwalze um die Ohren gehauen. Besonders das gewitternde Bass ist hier ordentlich nach oben gedreht worden. Trommelnde Blastbeats prasseln auf uns ein, bevor es dann einen Breakdown gibt, der er so tief ist, dass die beunruhigenden, heruntergestimmten Gitarren darauf hindeuten, dass sie in den Eingeweiden der Hölle selbst geschmiedet worden sein könnten. Für mich ein weiteres Highlight auf dem Album!

Der Titeltrack des Albums „Absolvere“ wurde wohl nur aus einem Grund geschaffen: einen kleinen Break zu schaffen. Das komplett ohne Vocals auskommende Instrumental ist dennoch sehr verstörend und kann durch einzigartiges Drumming überzeugen. Außerdem gilt dieses Instrumental als kleine Einleitung zum kommenden Track „Revelations ov a Silent King„. Dieser beginnt mit verzerrten Synthies und den durchdringenden Growls von David. Wir stellen uns gerade das „Stinky Face“ von David vor und verweisen hier auch an ältere Stücke der Band. Letzterer Track ist der Kürzeste auf dem ganzen Longplayer, hat aber im Mittelteil mit gelegentlichen Screams von David einen fast beruhigenden Part, bevor wir dann wieder mit Blast-Beats umgehauen werden.

Es folgt „Hollow Prison“ und somit auch das erste Feature auf dem Album. Mit keinem geringeren als Alex Erian (Ex-Obey The Brave, Despised Icon) ist der Track so ausschweifend und zerstörerisch, wie man es nur sein kann. Mit gutturalem Gesang, Hardcore-Intensität und einem alles verzehrenden Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das ihn durchströmt, ist er eine perfekte Werbung für alles, wofür die Band steht.

Sänger David Simonich sagte über den Track:

„Hollow Prison’ is one of our collective favourites on the album. It brings together all the key elements of Signs of the Swarm, while expanding to complement Alex Erian’s vocal style and delivery. That’s not to say this is Despised Icon worship, though all deathcore kind of is in a way, rather we siphon that through what makes us who we are. It’s one of the moshiest songs we have.

Lyrically, it talks about being captive in our mortal shell, awaiting the inevitability of death as repetition slowly eats us away. Add the cycle of despair to ‘death and taxes’. It’s a challenge to everyone to break that cycle and transcend disillusionment.”

Interessant ist hierbei noch zu erwähnen, dass der Song mit einem Klaviersolo beendet wird. Auch das kam etwas unerwartet.

Auf dem vorletzten Zünglein an der Waage bekommen wir sogleich das zweite Feature der LP präsentiert. Auf „Blood Seal“ bekommen einige der Fans von SOTS dann einen besonderen Gast aufgeschwatzt, mit dem man gerne schon etwas früher um die Ecke hätte kommen können. Kein geringere als Ben Duerr (Hollow Prison, Shadow of Intent) verleiht mit seinen Vocals dem Track einen weiteren tollen Hauch von Deathcore-Vibes. Wirklich gelungen ist das Gitarren-Solo als Grundstein vor und nach dem Breakdown in diesem Song. Wie gesagt, über die Vox von Sänger David brauchen wir bitte keine Worte verlieren, dank ihm sind SOTS so unverkennbar geworden, wie sie nun einmal sind. Beim Einsatz von Ben spielen die Jungs um Gitarrist Jeff Russo dann ein wenig mit einem Tempowechsel, was den Song letztendlich auch perfekt abrundet.

Meinen persönlichen Höhepunkt spielen Signs of the Swarm dann ganz zum Schluss. Genau so, wie es eben sein muss! Ich finde „Death Whislte“ ist einer der dynamischsten Tracks auf „Absolvere„, zudem spielen SOTS hier auch wieder mit melodischen Vocals (Cleangesang). Dieser Track zeigt einfach, dass es eben nicht nur auf Härte und Durchschlagskraft ankommt. Somit können SOTS ihr Repertoire um einiges ausdehnen und eben nicht nur von der reinen Deathcore-Schiene leben.

Sänger David Simonich kommentiert:

„‘Death Whistle’ is a conceptual piece inspired by the ancient Aztec relic used in war. Entwining this idea to represent the end of our pain and sorrow that fuels the war within ourselves.
“While composing ‘Death Whistle,’ we as a group had our own individual challenges and griefs to overcome. Sharing my experience publicly, I went through the hardship of losing my mother. To this day, I struggle with the constant battle within myself that there was something else I could have done to change what had happened. Full of regret, I dwell on my actions of the past where I believe that if I were around that my influence could have changed the outcome.
This song has a special place in my heart for it was the first time the band fully collaborated on the lyrics of a song. Pouring our souls, ‘Death Whistle’ was born.”

Kurz gefasst klingen Signs of the Swarm auf ihrem vierten Album „Absolvere“ düster, ohne geschwärzt zu sein, krachend, ohne Slam zu sein und Downtempo ist eher eine Wahlm als eine stilistische Einschränkung. Sie stechen das mit einigen der brutalsten Momente ihrer siebenjährigen Karriere ab. Außerdem schaffen sie ein Riffing, welches eher strafend als nachdenklich klingt. Die Melodien und Rhythmusgruppen rahmen das Gesamtbild perfekt ein. Vor allem aber nutzen sie den monströsen Stimmumfang von Sänger David Simonich in einer viel größeren Kapazität als auf seinem Debüt (Vital Deprivation/2019). Auf diesem Übergangsalbum experimentierte die Band, um wieder Fuß zu fassen. Obwohl die Hinzunahme von Gitarrist Jeff Russo auf Wachstumsschmerzen hindeuten könnte, klingen sie mit Simonichs ehemaligem Improvidence-Bandkollegen selbstbewusster denn je.

Die Andeutungen zu dem Debüt von David setzte Bobby Crow mit einem Kommentar wie folgt fort:

„Absolvere makes good on the musicality we were striving for on Vital Deprivation and combines it with the eerie atmosphere and brutality on our first two albums. We added a myriad of new sounds, techniques and vocal styles as we collectively composed each song from the ground-up.“

Besonders gut finde ich die vielen „anderen“ Highlights auf dem Longplayer, welche nicht sofort an Signs of the Swarm erinnern würden.

Daher bin ich so frei und vergebe „Absolvere“ eine sehr gute 8.5 von 10 Punkten.

Autor: Seb

Tracklist:
1. Hymns ov Invocation
2. Boundless Manifestations
3. Dreaming Desecration
4. Totem
5. Nameless
6. Absolvere
7. Revelations ov a Silent King
8. Hollow Prison ft. Alex Erian
9. Blood Seal ft. Ben Duerr
10. Death Whistle

Besetzung:
Jeff Russo – Gitarre
David Simonich – Vocals
Bobby Crow – Drums