Wie wir alle wissen, kommt am Freitag endlich das neue Album „For Those That Wish to Exist“ von Architects!

Wir durften schon in das Album reinhören und möchten nun unsere Eindrücke mit euch teilen.

In den bisherigen 8 Studioalben haben sich die Jungs um Sam Carter immer wieder weiterentwickelt und ihren Sound verfeinert. Seien es die komplexen Lyrics und Botschaften, die niederschmetternden Drums oder die kraftvollen Gitarren. Alles wurde dank der Federführung von Tom Searle immer wieder in ein neues Licht gerückt. Wo wir dann auch bei der traurigsten Botschaft wären. Denn im letzten Longplayer „Holy Hell“ gab es die letzten Melodien und Lyrics von Songwriter Tom zu hören. Der Bruder von Drummer Dan verstarb in 2016 an den Folgen seines Krebserleidens. Mit dem letzten Album wollte man also ein Denkmal für Tom erschaffen, welches den Briten eindrucksvoll gelungen ist.

Der Titel des neuen Albums „For Those That Wish To Exist“ und alle lyrischen Elemente der Tracks dienen als Warnung vor der zerstörerischen Natur der Menschheit. Die Stimmung der Songs erinnert an eine Art Endzeit oder Apokalypse, die uns erreicht hat und die wir auf die Realität zu übertragen möglichst verhindern sollten. Es klingt deshalb so, als wollten uns die Briten mit einem Fingerzeig darauf aufmerksam machen, wie wir den Sprung schaffen, das Ruder wieder herum zu reißen.
Was den Meisten von euch bei den Songauskopplungen bereits aufgefallen ist, dass die Vielzahl der Breakdowns reduziert wurde, aber Architects ihrem Sound treu geblieben sind. Man merkt, dass die Band sich weiterentwickeln wollte und dies auch geschafft hat – dazu aber am Ende mehr.

Lasst uns nun mit dem Opener „Do You Dream Of Armageddon“ beginnen. Der erste Song bildet mit dem Streicherquartett, den Synthies und dem Piano ein passendes Intro, welches uns direkt die Stimmung des Albums spüren lässt. Die Architects holen uns bereits in ihrem ersten Stück ab und zeigen gekonnt ihre neuen Seiten. Wir können uns diesen Track auch gut als Setlist-Opener bei einer Show vorstellen.

Der zweite Track ist „Black Lungs“ und die Zahl zwei taucht doppelt auf, denn dieser Song war auch die zweite Single-Auskopplung im Vorfeld. Hier erwarten uns zu Beginn eher ein leichtes Drumming, welches im Verlaufe des Songs aber immer wuchtiger wird und ein einprägsames Gitarrenriff. Gerade der Einsatz des Sprechgesangs von Sam vor den Breakdowns ist einfach großartig. Außerdem fallen uns mal wieder die klassischen Streichinstrumente im Chorus auf, welche dem ganzen Stück eine überaus melodische Note trotz des gewaltigen Breakdowns am Ende verleihen.

Mit dem dritten Track führen uns die Architects dann endgültig in ihren neuen Sound ein. Zu „Giving Blood“ fallen uns als Erstes die kraftvollen Drums auf. Dennoch können wir auch hier ein starkes Riffing wiederfinden. Viele Fans aus der Vergangenheit werden sich etwas an den pop-inspirierten Momenten und dem langsam vorgetragenen längerem Cleanpart blenden, jedoch ist genau dies eine klare Hommage an alle neuen Hörer der Band.

Bei Song Nummer 4 dreht es sich um „Discourse Is Dead“ und auch dieser Track dürfte einigen von euch schon bekannt vorkommen. Dieser feierte seine Premiere nämlich beim Streaming-Event aus der Royal Albert Hall. Auch hier brillieren die Briten wieder mit einer ausgewogenen Mischung aus Breakdowns,  Streichern und einem Chor im Refrain. Apropos Refrain: dieser hier lädt absolut zum Mitsingen ein. Obwohl diese Aspekte ohne Hören einen schwachen Eindruck vermuten lassen können, ist der Track sehr kraftvoll mit einem Kracher am Ende.  Deshalb können wir uns vorstellen, dass dieses Stück bei vielen Fans eines der Highlights dieses Album sein wird. In unserem Ranking hat sich der Song definitiv unter die Top 3 eingeschlichen.

Und dann wird es tatsächlich bereits zu Beginn sehr emotional. Der Song „Dead Butterflies“ wurde ebenfalls beim Stream gespielt und war gleichzeitig der vorletzte Vorbote zum Album. Und was sollen wir sagen: wieder gibt es die Streichinstrumente in vollem Umfang! Doch dieses Mal transferieren diese einfach nur große Emotionen. Für uns die Ballade auf diesem Album und mit den lyrischen Ansätzen, die u.a. an „Memento Mori“ erinnern, ein unglaublicher Song, der definitiv live in einer großen Halle gespielt werden muss, um sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Danach rollt der Zug wieder eher in Richtung heaviness! Mit „An Extraordinary Extinction“ lassen Architects die Screamings von Sam perfekt mit Nu-Metal-Einflüssen verschmelzen und zeigen große Variabilität in dem Song. Denn es kommt immer wieder zu Wechseln zwischen einer funky Melodie und der typischen Architects-Härte. Der Breakdown am Ende wird eingeleitet mit den Worten „We’re fighting to stay alive“ und hämmert uns weg wie ein Hurricane.

Auf Song Nummer 7 „Impermanence“ erwartet uns dann der erste Feature-Gast. Und das ist mit Winston McCall (Parkway Drive) der wohl, aus dem Metalcore-Genre, Bekannteste. Vom Drumming her ist der Song sehr vergleichbar mit „Animals“ und obwohl wir hier eher weniger Cleans finden, lädt auch hier der Chorus zum Mitsingen ein. Auch ein ähnliches Geräusch wie ein „Blegh“ bekommen wir von Sam zu hören (zwar ist es nur ein „Woo“, aber immerhin). Nicht nur Sam weiß zu überzeugen, auch das Feature von Winston bleibt mit den Worten „Cause who is afraid to die, never truly lives“ im Kopf hängen. Die beiden Stimmen harmonieren extrem gut und somit werden nicht nur die Fans der Architects ein fettes Grinsen im Gesicht haben, sondern auch die von Parkway Drive.

Mit „Flight Without Feathers“ gewähren uns die Briten dann eine kleine Atempause. Für uns handelt es hierbei auch um einen der ruhigsten Songs auf dem Album. Der Track greift auf wenig bis kaum Einsatz von Gitarren oder Drums zurück, sodass Sams Stimme im Vordergrund steht. Wir bekommen hier viele ruhige und bezaubernde Klänge um die Ohren.

Danach bleibt es bei den ruhigeren Tönen und der zweite Feature-Gast reiht sich ein. Mit Mike Kerr (Royal Blood) und dem Track „Little Wonder“ empfinden wir den Sound als entspannter und würden diesen als konsumig rockig einordnen. Wir können uns hier tatsächlich vorstellen, dass der Song wohl auch gut im Radio gespielt werden könnte.

Als nächstes folgt mit „Animals“ die erste Single-Auskopplung und dieser Track ebnete den neu eingeschlagenen Weg der Jungs um Sam Carter. Wie auch viele Fans bereits im Vorfeld diesen Song immer wieder mit Rammstein in Verbindung bringen, so tun wir das natürlich auch. Und das ist auch nicht ganz so abwegig. Die Drumparts zu Beginn, die immer wiederkehrend im Laufe des Titels vorkommen, gehen eben schon sehr in diese Richtung. Am Genialsten ist jedoch das Nebelhorn, welches in Kombination mit dem Breakdown eines der Highlights in diesem Longplayer darstellt. Wir denken, dass hier ein Mitsingen garantiert ist.

Nach den wuchtigen Drums des Vorgängers ist „Libertine“ dann eher wieder ein ruhiger Song, indem unter anderem die Turntables eine Rolle spielen. Der Einsatz eben dieser erinnert ein wenig an den Vibe von Linkin Park und dürfte vielen Nu-Metal-Fans gefallen.

Der dritte und letzte Feature-Gast versteckt sich in Song Nummer 12. Auf „Goliath“ leiht Simon Neil von Biffy Clyro teilweise seine Stimme. Und eines können wir vorab verraten, es gibt nicht nur derart viele Tempowechsel auf dem Track zu hören, sondern auch etwas völlig Neues von Neil. Das sind nämlich Shouts und diese gehen durch Knochen und Mark. In Kombination mit den starken Gitarrenriffs, eine sehr gelungene Komposition. Nicht nur das Feature mit Winston ist auf dieser Platte eine großartige Zusammenarbeit – haltet euch fest und genießt auch diesen Song.

Mit „Demi God“ präsentieren uns die Jungs um Dan Searle dann einen weiteren sehr instrumentalischen Song. Hier hat man das Gefühl als hätten die Briten ein ganzes Orchester im Hintergrund. Bei dem komplette Stück ist dieses Mal das Piano als klassisches Instrument im Vordergrund, welches Sams Stimme ein sehr melodisches Touchup verpasst.

Zum vorletzten Song reiht sich dann mit „Meteor“ die letzte Single-Auskopplung ein. Dieser Song hebt sich ein wenig vom Rest des Albums ab, denn die Töne wirken nicht so schwer und erwecken den Eindruck eines Songs, aus dem man Kraft schöpfen soll, die Apokalypse zu überwinden. Für uns erinnern die Klänge dieses Tracks an den klassischen Architects-Sound, der auch gut auf Holy Hell hätte Platz finden können.

Ganz klassisch holen uns die Architects dann mit einem düsteren Ende und dem Track „Dying Is Absolutely Safe“ ab. Hier zeigen die Jungs nochmal, dass die Akustik-Gitarre ein genauso schönes klassisches Instrument sein kann, wie die Streicher. Diese Kombination finden wir absolut klasse. Es scheint so, als wollten uns die Briten mit diesem Abschluss eine Zusammenfassung des Longplayers geben. Es klingt schon fast wie ein Nachruf, der thematisch natürlich in das Apokalypse-Szenario perfekt passt.

Was sagen wir denn jetzt zu den neuen 15 Songs, den neuen 58 Minuten der Architects?
Klar, als alte eingesessene Fans fehlen uns die bereits in der Einleitung angesprochenen Breakdowns schon sehr, aber wir denken, dass die Jungs eine richtig gute Richtung eingeschlagen haben. Ähnlich wie bereits bei Bring Me The Horizon scheint es so, als wollen die Jungs um Vocalist Sam Carter raus aus der Nische des „nur“ Metalcore, um eine breitere Masse an Menschen anzusprechen. Die Themen bleiben weiterhin schwer und auch dennoch verzichten die Architects nicht komplett auf ihre Wurzeln. Ganz wichtig ist nicht nur die Weiterentwicklung der Band, sondern auch der Einsatz von eher unerwarteten Melodien und Talenten der einzelnen Mitglieder. Wie zu Beginn bereits angerissen, finden wir, dass diese Veränderung der kompletten Band gelungen ist und gut tut. Wie wir und auch hoffentlich viele von euch bereits in dem Livestream im November gemerkt haben, sind die Jungs stolz auf ihren Wandel und zeigen, dass auch die neuen Songs definitiv großes Live-Potenzial haben.
Unser Tipp: gibt dem neuen Sound eine Chance, akzeptiert den Wandel der Band und unterstützt die Jungs auf ihrer weiteren musikalischen Reise. Wir können definitiv sagen, wir freuen uns auf alles, was da noch so kommt.

Deshalb gibt es von uns 8 von 10 Punkten (denn ein wenig dürfen auch wir den alten Sound vermissen).

Autoren: Alex und Seb