Die US-Metalcoreband Like Moths To Flames veröffentlicht ihre vierte EP „Pure Like Porcelain“ am Freitag, dem 5. November. Wie der erste Singlerelease „The Preservation Of Hate“ der anstehenden EP bereits vermuten lässt, können sich die Fans auf härtere und rauere Töne gefasst machen. Der Vocalist Chris Roetter von LMTF selbst nennt „Pure Like Porcelain“ den „oddball“ ihrer bisherigen Veröffentlichungen.

„It feels like a continuation of some of the more anger driven songs in catalogue and people who like the heavier side of the band will be pleased.“

Worum geht’s in „Pure Like Porcelain“?

Der etwas überspitzte EP-Titel nimmt sich nicht allzu ernst und soll ironisch überspitzt die Imperfektion von Menschen darstellen. Thematisch gibt es kein klares, eingängiges Konzept, jedoch wird deutlich versucht auf ihrem Erfolgsalbum „No Eternity In Gold“ vom Vorjahr aufzubauen. Auf den ersten Blick scheinen sich Like Moths To Flames vor allem auf musikalischer Ebene aus ihrer Komfortzone zu wagen. Vocalist Chris Roetter selbst gibt zu, dass er erstmals um das Verfassen detaillierter und beschreibender Texte bemüht war, anstatt sich auf generische Themengebiete zu verlassen. Verantwortlich für die Weiterentwicklung der Lyrics und den frischen Sound sollen ebenfalls die neuesten Bandmitglieder, die Gitarristen Zack Pishney und Jeremy Smith sein.
Und anscheinend haben LMTF an ihrem neuen Sound einen echten Narren gefunden, denn Pishney deutet an, dass es weiter in diese Richtung gehen soll:

„I think the EP is just a small taste of where we could possibly go next as a band.“

Aber kann die neue Richtung überzeugen?

Obwohl der Song „Ameliorate“ als EP-Opener besonders Ton angeben sollte, fängt dieser gar nicht so heavy an, wie die erste Titelveröffentlichung „The Preservation Of Hate“ womöglich den Eindruck geweckt hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Track qualitativ nicht überzeugen kann. Untermalt von Synths im Hintergrund versetzen die Instrumentals einen bereits in Aufbruchsstimmung. Es kann losgehen! Kaum haben die rhythmischen Screams begonnen, setzt der Clean-Refrain ein. Dieser holt spätestens auch den letzten Hörer ab. An „Ameliorate“ könnte kritisiert werden, dass es sich hier strukturell um einen durchschnittlichen (wenn auch guten!) modernen Metalcore-Titel handelt. Dies ist spätestens ab dem berühmtberüchtigten „Blegh“ kurz vor dem Breakdown ein berechtigter Einwand.

Einfach, aber treffend

Der zweite Track „Views From Halfway Down“ ist ebenfalls schon seit letzter Woche verfügbar. Er beginnt melodisch eingängig mit Clean-Gesang, der jedoch recht schnell von aggressiven Vocals abgelöst wird. Durch den stetigen Wechsel ist sowohl für die heavy als auch die softe Metalcore-Fraktion etwas dabei. Dabei stehen die Vocals auffällig im Fokus und scheinen den Song zu beherrschen. Auf lyrischer Ebene fühlt sich der Titel wie ein freier Fall an, der einfach nicht aufhört:

„Free fall to the place I hate
The black sheep
Bagged head
We slaughter the same
Free fall
No sense of direction
And no intention of catching myself“

Jedoch sind Redewendungen wie „schwarzes Schaf“ keine sonderlich originellen Metaphern und auch die Beschreibung des Fallens zeugt nicht von Innovation. Allerdings trifft hier die Einfachheit der Lyrics  einen unverkennbaren, emotionalen Nerv, welcher wahrscheinlich für viele Hörer keine Fremdheit ist. Ebenso hält es der Clean-Refrain:

„Lost in reflection of memories
So scared of dying alone“

Bei dem Breakdown zum Ende hin jucken einem regelrecht die Finger, in den Pit zu gehen. Ebendiese Abschlussstimmung von „Views from Halfway Down“ scheint fast schon eine Vorbereitung für den nächsten Titel zu sein.

„Preservation Of Hate“ war die erste Singleveröffentlichung der anstehenden EP und sollte ursprünglich den Richtwert für die neuen, härteren Klänge geben. Leider ist sie neben „Gnashing Teeth“ auch die einzige hervorstechend extremere Metalcore-Single. Bei „Preservation Of Hate“ herrscht völlige Eskalation ab Minute eins. Der Einsatz von Synths im Hintergrund hinterlässt den Eindruck einer trostlosen Einöde. Passend zu der aggressiv, atmosphärischen Klangfarbe werden extreme, apokalyptische Bilder gezeichnet:

„I stand at the gates of hell
Humanity feeds with the teeth of a demon
Mark of the beast
Swarming like rats
Consuming the devils feast“

Damit ist „Preservation Of Hate“ eine brutale Versinnbildlichung der Hölle auf Tonebene.

Eine nahtlose Anknüpfung

„Gnashing Teeth“ knüpft in Sachen Härte direkt an „Preservation Of Hate“ an. Laut Vocalist Roetter beschreibt der Track eine dysfunktionale Beziehung mit Religion. „Gnashing Teeth“ selbst ist eine formelhafte Wendung, die im neuen Testament insgesamt sieben Mal als Beschreibung der Qualen der in die Hölle Verdammten vorkommt.
Das elektronisch Intro erinnert stimmungstechnisch an eine trostlose Wüsteneinöde. Dann explodieren die Vocals vor Aggressivität regelrecht und es geht los. Unterbrochen werden sie von einem vergleichbar kurzen, melodischen Clean-Refrain, welcher typisch Like Moths To Flames ohrwurmverdächtig erscheint.

Bei dem letzten Track „Do Not Resuscitate“ geben die Vocals den Takt an. Erst verzögert setzen die Instrumentals vollständig ein. Da zu meiner Überraschung direkt zum melancholischen Cleangesang gewechselt wird, entfaltet sich hier das vollkommene Bild einer expressive Ruhe vor dem Sturm. Der späte langsame Breakdown gestaltet ein intensives Finale des Songs und auch der EP.

Fazit

Like Moths To Flames liefern vielleicht keinen absoluten thrashy „oddball“ wie versprochen, jedoch ist nicht zu leugnen, dass sie mit „Pure Like Porcelain“ eine starke Modern-Metalcore-EP geschrieben haben. Mit härteren Singles wie „Preservation Of Hate“ und „Gnashing Teeth“ beweisen sie definitiv eine ausgewogene Balance zu ihren softeren Releases „Views From Halfway Down“ und „Do Not Resuscitate“.  Während Like Moths To Flames früher für mich eine durchschnittliche Modern-Metalcore-Band war, die meinen Musikradar genauso stetig verlassen wie betreten hatte, halte ich sie spätestens seit dem Album „No Eternity In Gold“ als erinnerungswürdig. „Pure Like Porcelain“ setzt meiner persönlichen Meinung dem nach nochmal die Krone auf und macht sogar neugierig, wie die Band sich in Zukunft weiterentwickeln wird. Dafür gibt es 8 von 10 Punkte.

Tracklist:

01. Ameliorate
02.Views From Halfway Down
03. Preservation Of Hate
04. Gnashing Teeth
05. Do Not Resuscitate

Autorin: Natascha Tez
Bild: Pressebild