Devil Sold His Soul waren mir vor ihrem Single-Release zu „Beyond Reach“ noch völlig unbekannt. Doch bereits nach dem ersten Hören der neuen Single war mir klar, dass ich deren neues Album unbedingt hören muss, um meine Gedanken mit der Welt zu teilen. Doch zuvor machte ich mich auf den Weg, um mehr über die Melodic Post-Hardcore aus England zu erfahren.

Devil Sold His Soul brachen 2004 aus dem britischen Untergrund der Musikszene und schafften es mir ihrer ersten EP „Darkness Prevails“ die Hörerschaft von ihrem Sound zu überzeugen. Das Debütalbum „A Fragile Hope“ erschien 2007 und brachte der Band den Status als eine der meist geliebten Underground-Bands ein. Der Nachfolger „Blessed & Cursed“ hiefte den Erfolg der Band dann in unerreichte Höhen, denn im Voting des Rock Sound-Magazins wurde es 2010 zu einem der Top-Alben des Jahres gekürt. Darauf folgte der erste Nackenhieb für die Briten, als 2013 Sänger Ed Gibbs die Band verließ. Noch im selben Jahr wurde mit Paul Green ein würdiger Nachfolger gefunden. 2014 folgte dann der letzte Release mit der EP „Belong Betray„.

In 2017 spielten die Jungs um Gitarrist und Studio-Besitzer Jonny Renshaw (im Studio des Gitarristen wurden alle Songs und Alben der Band aufgenommen und abgemischt) eine Jubiläumstour zum Debütalbum „A Fragile Hope“ und zur Freude aller stieß Ed Gibbs zur Band zurück. Mit zwei Fronstängern ging man auch 2018 auf die erste Asien-Tour und verkündete die permanente Besetzung der beiden Vocalists. Zudem begannen auf dieser Tour auch die Arbeiten am neuen Album „Loss„.

Doch bevor wir nun mit dem Einstieg in die Review beginnen, möchten wir kurz auf die Themen der Songs auf dem neuen Album eingehen. Das Album hangelt sich an einem Narrativ des persönlichen Verlustes, der Trauer und des Heilungsprozesses entlang und berührt dabei Themen wie mentale Gesundheit und Angst in uns allen. Obwohl das Album zutiefst persönlich und ein Spiegel düsterer Zeiten ist, ist „Loss“ trotz Allem ein lebensbejahendes und energetisches Album voller Melodien und Kraft. Es ist mutig, kämpferisch und tief in all jenen Themen verzweigt, die uns als Menschen verbinden.

Der Opener „Ardour“ beginnt mit ruhigen Klaviertönen und einem Gefühl der Trauer, welches mit zunehmender Länge des Songs nur noch weiter wächst. Begleitet werden die Growls/Cleans von Ed und Paul mit einem Streichquartett und besonders gut passenden Loops. Die Growls gehen im Refrain dann mit den Worten „Maybe I can find a sense of peace“ über. Die Worte transferieren am besten das Gefühl der Trauer, welches sich durch den gesamten Track zieht. Anhand des ersten Songs wird direkt deutlich, dass die beiden Vocalists perfekt aufeinander abgestimmt sind. Sowohl Growls als auch Cleans werden zu gleichermaßen aufgeteilt und klingen gerade gemeinsam sehr besonders.

Der zweite Track „Witness Marks“ brilliert mit einer großartigen Leadgitarren-Melodie, die vermutlich nicht nur mich zum Mitsingen eingeladen hat. Der Song wirkt durch seine üppige Laufzeit von 8 Minuten in keinster Weise langweilig, sondern wirkt mit zunehmender Dauer eher wie ein Hilfeschrei. Auch hier werden die Harmonien der beiden Sänger ausdrucksvoll in den Vordergrund gestellt. Doch sobald der Breakdown einschlägt, wird man gezwungenermaßen dazu angeregt, sich zu bewegen. Thematisch beschäftigt sich der Track mit den Erfahrungen der Band, nicht nur mit ihren eigenen Kämpfen, sondern auch den Dämonen, die sie nahezu täglich sehen – oft unbemerkt.

Paul Green fügte noch folgende Zeilen hinzu:
„Von der Person mit dem wunderschönen Lächeln auf den Socials, deren Augen jedoch eine tiefe Trauer in sich tragen, über diejenigen, die Angst davor haben, etwas zu sagen, bis zu denen, die vergessen haben, wie sich ‚okay sein‘ eigentlich anfühlt. Depressionen und Angst sind Berge, die wir bezwingen müssen. Wir hoffen, dass die neuen Lieder eine Verbindung zum Hörer schaffen und ihm auf seiner Reise helfen.“

Auf das achtminütige Auf und Ab folgt die letzte Vorab-Single „Burdened„. Diese beginng mit Blastbeats und Clean-Vocals. Der Song besticht durch seine direkte Art, denn ein Augenblick, um Luft zu holen bleibt im ersten Teil nicht. Das Schlagzeug setzt sich intensiv in den Vordergrund und wirkt wie ein Hämmern im Kopf. Im zweiten Teil von „Burdened“ wird die „Laut-Leise“-Dynamik, die sich im Laufe des Albums noch das ein odere andere Mal von seiner besten Seite zeigen wird, fort. Doch ist es nicht absolut krass, wie gut DSHS dies umsetzen? Man könnt glatt meinen, dass im zweiten Teil eine völlig andere Band im Gehörgang landet.

Auf Track Nummer 4 befindet sich einer meiner absoluten Favoriten vom Album: „Tateishi„. Im Interview mit den Jungs (siehe dazu der Link ganz unten im Beitrag) habe ich nachgehakt und wollte wissen, warum man diesen Songtitel gewählt habe. Ich hatte nämlich ein paar Vermutungen angestellt und diese wurden durch Ed auch bestätigt. Tateishi ist ein Stadtteil der japanischen Metropole Tokio und dort wurde der Track auch lyrisch verfasst. Der Song ist im Vergleich zum vorherigen Track „Burdened“ deutlich ruhiger, doch brilliert unter anderem mit Synthie-Streichern und einem mächtigen Grollen, welches man wohl kaum besser in einem bisher gehörten Metalcore-Track verpacken konnte. So gesehene ist der Song eine verdammt geniale Power-Ballade voller Emotionen.

Nachfolgend finden wir eine weitere Vorab-Single auf dem Prorgramm. Mit „The Narcissist“ hatten mich DSHS bereits bei der Veröffentlichung völlig von den Socken gehauen. Denn die Bedrohung, die durch den Sound des Tracks übermittelt wird, lässt mich innerhalb der 4 Minuten nicht los. Das Lead-Riff erinnert mich persönlich an Doom-Metal, wobei es in vielen brachialen Breakdowns mündet. Der ganze Track ist dunkel und schwer auf eine Art und Weise, wie es z. B. die vorherigen Lieder nicht sind. Sozusagen, der perfekte Gegenpol zu vielen anderen Songs auf der Platte.

Beyond Reach“ war die erste Veröffentlichung mit beiden Sängern an der Spitze der Band und die Jungs hätten wohl kaum eine bessere Lead-Single für ihr Album wählen können. Für mich eines der Highlights auf dem Album, obwohl ich zugeben muss, dass dies mein wahrer „Opener“ für DSHS war. Gerade im Musikvideo wird der Kontrast schon auf das Gute gelenkt, obwohl beim näheren Anschauen und Durchlesen der Lyrics alles andere als das Gute bezeugt wird. Doch auch die Bindung der beiden Vocalists Ed und Paul wird mit dem Video ganz deutlich dargestellt. Beide stehen sich gegenüber, mal schreien sie sich an, mal singen sie miteinander. Ganz klar ist dieser Track wohl auch einer der Publikumslieblinge für bevorstehende Touren.

Anschließend lassen wir den Song „Signal Fire“ auf uns einprasseln. Auch hier überwiegen die starken Gefühle, die mit der Dauer des Tracks und steigendem Tempo aufgebaut werden. Die Stille im Mittelteil ist einfach nur brillant und hätte kaum besser in einen anderen Song gepasst. Am Ende folgen zwei Minuten, die einfach nur episch sind und am besten zu den ganzen Artworks des Albums passen. Denn dort wurden fantastische Aufnahmen des Gitarristen Rick Chapple aufgearbeitet.

Acrimony„, Track Nummer 8 auf dem Longplayer, ist der wohl gradlinigste Song auf dem Album. Mir blieb das dröhnende Riff noch viele Tage in den Ohren.

Wie bereits im Interview mit Ed und Paul gesagt, finde ich die beiden letzten Songs auf der LP, die am traurigsten klingenden Tracks. Bei „But Not Forgotten“ wird ein Gefühl von Sehnsucht vermittelt, das durch Verlust entsteht, mit einer Hoffnung, die durch Akzeptanz entsteht. Im Titeltrack „Loss“ verspührt hoffentlich nicht nur meine Wenigkeite eine Menge Trauer. Denn durch den Einsatz des Pianos und des Clean-Gesangs wird die Sehnsucht nach verlorener Liebe und Leben zum Ausdruck gebracht. Die Trauer ist nachvollziehbar und kraftvoll, besonders in Anbetracht der letzten zwölf Monate, wenn sie darüber singen, wie „the sadness always comes in waves„. Im Interview habe ich erfahren, dass die Jungs in diesem Song den Tot eines Familienmitglieds verarbeiten. Das ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen, denn auch ich erinnerte mich an einen solchen Moment zurück.

Ich bin mir sicher, dass sich Devil Sold His Soul mit dem Album „Loss“ ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt, dieses aber mit Bravour auch gemeistert haben. Es ist ein Album, auf dem die Band viel zu sagen hat und vor allem merkt man das auch an der Spielzeit. Denn selten haben wir ein Album gesehen, welches bei einer Spielzeit von knapp 61 Minuten nur 10 Songs aufzuweisen hat. Doch das soll in keinster Weise ein Manko sein, da wir dank „Loss“ in tiefe und verwinkelte Abgründe des menschlichens Daseins abtauchen durften. Und ein genaues Genre können wir auch nicht immer zuweisen. Daher ist der neue Longplayer nicht unbedingt nur etwas für die Liebhaber von härteren Sounds, denn gerade in den ruhigen Passagen und den dadurch in engelsartigen Cleans mündenden Refrains kann sich ein jeder mit diesem Stück Musik wiederspiegeln.

Rating 9/10

Mein Rating fällt sehr gut aus, denn ich verstehe bis heute nicht, wie die Engländer mit ihrem Stil und ihrer Herangehensweise in der Musikbranche noch keinen größeren Gefallen gefunden haben.

Autor: Seb