Die Melodic-Hardcoreband No Bragging Rights ist zurück! Im Gepäck haben sie eine self-titled EP, die sie am heutigen Tag, dem 03.12.21, via Pure Noise Records veröffentlichen.

Bragging Wer?

No Bragging Rights ist eine Melodic-Hardcore-Band, die von ihrem Vocalisten Mike Perez bereits 1999 gegründet wurde. Neben Perez zählen zur heutigen Besetzung Martin Alcedo (drums/vocals), Daniel Garrow (guitar/vocals) and Anthony ‘Tron’ Laur (guitar). Nach 5 Alben und 2 EPS gab die Band im Jahre 2015 bekannt, eine Pause einlegen zu wollen. Mit sieben Songs melden sie sich nun jedoch zurück! (Wuhu!)

Aber worum geht’s?

Die EP setzt sehr gefühlvoll ihren Fokus auf den Kampf mit der Sucht und die Probleme, bei dieser Unterstützung zu finden. Perez hat dies folgendermaßen kommentiert:

„Getting help for addiction is extremely difficult even when the person is sincere in their attempts to get clean. The song talks about addiction and how you grab at anything to fill the void as you are spiralling. The hope is to fully surrender and to be sincere in your efforts to get help“.

Jedoch werden ebenfalls weitere Themen wie Suizid und Gewalt in Beziehungen angesprochen.

Unser Track-by-Track-Review geht auf den Eindruck ein, den die EP hinterlassen hat. Eins kann jedoch bis dato schon gespoilert werden: Sie lässt einen mit Gänsehaut zurück!

Es geht los!

Der Opener Strengths Perspective gibt sofort das nostalgische Gefühl, als würde man auf einen alten Titel aus seiner 2009er Metalcore-Playlist stoßen. Dass dieser Eindruck auch die Intentionen der Band trifft, zeigt die Aussage des Drummers Alcedo:

„When we were first brainstorming ideas (…) we all agreed we wanted it to sound nostalgic, so people know they’re still listening to No Bragging Rights, but we also wanted to elevate it to the best of our ability. It’s got some of our heaviest stuff, some of our most emotional stuff and some of the most technically challenging stuff, but it’s still classic No Bragging Rights.

Die schnellen Hardcorepunk-Takte in Verbindung mit den stetig wechselnden Screams und Cleangesang bringen einen in Aufbruchsstimmung, ohne das Ohr zu überfordern. Gleichzeitig wird mit allzu bekannten melodischen Riffs gespielt, die sich wie nach Hause kommen anfühlen. Der langsame Breakdown am Ende wirkt wie ein gebührender Höhepunkt im Kontrast zu der vorherigen Aufbruchsstimmung.

Simpel, aber verdammt cooool!

Der zweite und bereits vorher veröffentlichte Titel Walking Blind beginnt mit einem eingängigen Takt, der recht schnell wieder in die typischen No Bragging Rights Punkelemente übergeht. Walking Blind ist auf Lyrik-Ebene eher simpel gestaltet. In diesem Zusammenhang ist das jedoch nicht schlecht bewertet, es passt zu dem Melodic-Hardcore-Vibe, der durch die Gangshouts zur Stande kommt. Außerdem überbringt die Einfachheit in Anbetracht der Suchtbewältigungs-Thematik angenehm und aufrichtig die Kernmessage des Songs:

„I needed help
Reaching out, grabbing a fistful of nothing
All of my failed attempts
Due to a lack of sincerty“

Besonders zum Vorschein kommt die unverkennbare Cleanstimme vom Frontmann Mike Perez, die dem simplen Refrain den gewissen Ohrwurmfaktor verleiht.

Kleine Bemerkung am Rande: Außerdem strotzt das Musikvideo zum Track nur so vor Metalcore/Hardcore-Klischees, weswegen es ein extra Nostalgiesternchen dazu gibt.

Das Fass an Emotionen läuft über…

Mitgröl-Fanatiker aufgepasst! Der dritte Track Breaking Point überrollt einen mit geballten Emotionen verpackt in einer Menge Cleans. Der früh einsetzende und extrem mitreißende Breakdown überrascht einen mit den sanften Einsatz von Synths. Diese moderne Note fügt sich dennoch tadellos in den eher klassischen Stil ein.

Thematisch geht es um jemanden, der die Kraft aufbringen muss, um aus einer gewalttätigen Beziehung auszubrechen und sich sein Leben zurückzuholen.

Mit geballter Energie rüttelt der aufbauende Refrain einen regelrecht wach:

„You’re wrong
The fact you’re still standing makes you strong,
Your worth is not measured by someone,
I’m taking back my life.“

Auch das Storytelling verspricht ein Happy End, in dessen Rahmen die Person den benötigten Mut aufbringt, um selbst die Initiative zu ergreifen
„I found the strength to leave this place.“
Mit beeindruckenden Detailaufnahmen und einer ausdrucksstarken Besetzung unterstreicht das Video die befreiende Message von Breaking Point nochmals:

Bei dem vierten Track Stages wird der emotionale Wirbelwind regelrecht von der Seele geschrien. Man hört die mitschwingende Wut und den dahinter steckenden Schmerz mit vielen weiteren Gefühlsregungen heraus. Dazu unterstützend schmettern die Screams und auch die voranschreiten Instrumentals richtig böse!

„Tough decisions made in the blink of an eye“

The Weight drückt auf die Kehle zuschnürende Weise aus, wie wenig man die finale Bürde einer Person durchschauen kann. Es ist der wohl verletzlichste Track, welcher nicht nur den Suizid eines Freundes der Band adressiert, sondern auch die Perspektive der Tochter – der Hinterbliebenen.

„Who can really know the weight…
Of leaving when you want to stay?
Who can truly know the weight…
You don’t understand this weight. I can’t stay.“

Vor diesem Hintergrund trägt einen der melodische Track mit besonderer Schwere. Das letzte Goodbye trägt dabei den bitteren Beigeschmack einer tatsächlichen Verabschiedung.

Regret reiht sich hingegen eher in die melodisch, sanftere Kategorie ein. Der Song handelt titelbezeichnend schlicht und ergreifend von der Vergangenheit. Während der Track sich eher auffällig unauffällig in die EP einreiht, verändert sich dieser Eindruck ab etwa der Hälfte des Songs. Ein ruhigerer Synthpart mit Cleangesang spielt die Trumpfkarte und reißt das Ruder noch rum. Trotzdem bleibt doch Song der einzige Titel, welcher im Vergleich zu den anderen leicht schwächelt.

Und schließlich? Ein Feuerwerk

Der finale Song Unapologetic hingegen startet wieder voll durch! Zu Beginn zählen die Drumsticks den Takt an, was einen (gerade in diesen Zeiten) direkt in eine sehnsüchtige Konzertlaune versetzt. Die kraftvollen Cleans gepaart mit dem mitreißenden Sound lassen einen emotional dran teilhaben, was Unapologetic überhaupt ausmacht:

„I am not my illness/ I am not my best mistakes“

Der Breakdown bringt die Worte des Refrains schließlich mit Screams zum Beben, übergehend in Gangshouts ist der Song einfach eine Explosion an Gefühlen.

Der Instrumentalpart am Ende lässt dieses Erlebnis sanft ausklingen, mit dem Bedürfnis, eigentlich noch mehr hören zu wollen.

Fazit

No Bragging Rights haben mit dieser EP definitiv bewiesen, dass sie nicht Schnee von gestern sind. Vielmehr haben sie die Tür eingetreten und sind mit einer voller Wucht an Emotionen und Nostalgie ins Haus marschiert. Während bei vielen Comebacks oft die Angst mitschwingt, dass die Band den Erwartungen nicht gerecht wird, wurden diese hier sogar übertroffen. Die EP verdient definitiv 10 von 10 Punkten.

Tracklist:

  1. Strength Perspective
  2. Walking Blind
  3. Breaking Point
  4. Stages
  5. The Weight
  6. Regret
  7. Unapologetic

Von: Natascha Tez
Bild: Pressebild