Das Gerücht geht umher, dass der australische Metalcore der Beste auf der ganzen Welt sei. Bands wie Polaris, Alpha Wolf, Make Them Suffer, Northlane, Thornhill, Parkway Drive … und viele weitere haben den Weg für junge aufstrebende Bands geprägt. Anhand der soeben ausgewählten Bands lässt sich die These im ersten Satz doch relativ gut beweisen. Doch nun gesellt sich in diese Reihe mit Pridelands eine 5-köpfige Band aus Melbourne dazu, um klar und deutlich zu machen: Metalcore from Australia is the best!

Nachdem Pridelands in 2018 mit ihrer EP „Any Colour You Desire“ zum ersten Mal auf der Bildfläche erschienen sind, wollte man direkt die ganze Aufmerksamkeit auf sich bringen. Das gelang den Jungs auch relativ gut. Ihr Sound war eine frische und energetische Mischung aus Bands wie Casey, Make Them Suffer und Gravemind. Es ist die Art und Weise wie sie transzendente, ätherische Klänge mit seelenzerfetzenden Rhythmen und Breakdowns vebinden. 2019 gewann die Band den Triple J Unearthed-Wettbewerb, um auf der Hauptbühne des UNFD-Festivals live spielen zu dürfen. Dort teilte man die Bühne dann mit Bands wie Trophy Eyes, Citizen und Taking Back Sunday. Der Weg eine frische Brise in die Szene zu bringen ist somit geebnet. Doch was können uns die Jungs nun mit ihrem Debütalbum „Light Bends„, welches kommenden Freitag, am 14. Januar 2022 erscheinen wird, noch so von sich Preis geben.

Doch bevor wir mit der eigentlichen Review starten, sollten wir noch auf das Mix und Mastering der neuen LP eingehen. Diese Arbeiten wurden von keinem geringeren als George Lever von G1 Productions vorgenommen. Und es gibt einen Grund wieso George Lever zur Zeit in aller Munde ist: er hat einige der besten Veröffentlichungen in der letzten Zeit produziert! Unter anderem das neue Album von Sleep Token als auch die neue Single von Thornhill. Seine Mixe sind raumgreifend und blasen die Decke von jedem Track weg, damit die Sounds in der Atmosphäre atmen und sich entfalten können.

Des Weiteren wollen wir nochmals betonen, dass es sich um das was ihr hier hören werdet, um ein Debütalbum handelt. Dies ist das erste Album von Pridelands, einer Metalcore-Band, die wie ein wütender Bulle in die Metalszene gestürmt ist. Das Songwriting und die Symbiose in der Performance der Band ist das, was man von einer erfahrenen Gruppe erwarten würde. Die Tracks sind in ihrem Rhythmus so ansteckend, dass wir fast während der gesamten LP mit dem Kopf nicken mussten.

Den Beginn macht der Opener „I Reach Into Your Heart„, ein brütender und düsterer Track, der sich zu einer gewaltigen Demonstration der Kraft dieser Band entwickelt. , Clean-Vocalist der Band, stellt sich uns mit seinen seidig-sanften Tönen vor, und während sich der Track aufbaut, nimmt die Rauheit in seiner Stimme zu. Genau genommen spielt sich mit Länge des Songs die gesamte Band in einen kleinen Rausch. In diesen 3 Minuten stellt Joshua direkt klar, was er und seine Stimme zu bieten haben. Seine cleane Passagen sind einfach fesselnd und einprägsam. Und davon werden wir im Laufe des Longplayers noch einige Stellen finden.

Mit der zweiten veröffentlichten Single „The Walls“ geht es weiter. Es ist ein super grooviger Track, der dann auch die Vorzüge von Unclean-Vocalist Mason Bunt in den Vordergrund rückt. Seine Screams sind hier mehr als intensiv, besonders wenn er den Hörer mit den Worten „make it stop“ förmlich attackiert. Wir finden an dieser Stelle bereits den ersten beinharten Modern Metalcore-Track, den die Gruppe geschnürt hat.

Schreihals Mason Bunt sagte folgendes zu „The Walls„:

“The Walls is a song about the constant struggles of life, to put it simply. Life can be perceived as a series of hurdles or challenges and depending on your outlook, this can be a good or a bad thing… Addictions and self-doubt are very common “walls” that many will face in their life, slowing their ambitions to move forward. This song is about raging against the dying of the light, taking the ever-so slight chance of victory and holding onto that hope.”

Der Nachfolgetrack „Parallel Lines“ besticht durch die geheimnisvollen Nu-Metal-Vibes, die der Song versprüht. Warum aber unheimlich? Achtet mal auf die Hintergrundgitarren, diese versprühen diese unheilvolle und geheimnisvolle Stimmung. Super interessante Gitarren treffen auf großartiges Drumming und die beiden Sänger Cory und Bunt zeigen ihre Spitzenklasse. Die kleinen Breaks und Ruhepausen in den Parts sind wirklich wundervoll eingesetzt und passen an jeglicher Stelle perfekt.

Danach folgt mit „Parted Time“ ein frühes Highlight des Longplayers. Dieser Song ist eine perfekte Demonstration von Corys stimmlichen Fähigkeiten. Es einfach großartig, wie er mit seinem Gesang dem Track ein Gefühl von Magie verleiht. Dies zeigt auch den Transfer von seiner Stimme inklusive der instrumentalen Parts. Doch auch Bunt gibt wieder ordentlich Vollgas. Gerade anhand der Zeile „wipe the smile from your face, before I rip it off“ merkt man, dass es kein zurückhalten für ihn gibt. Dies ist die Art von extremer Kraft und Verwüstung, die wir auf dem gesamten Album zu hören bekommen, und während dieser Zeit lässt er fast nie nach.

Weiter geht es dann mit der wohl einprägsamsten Vorab-Veröffentlichung „The Lake Of Twisted Limbs„. Der vierminütige Track taucht in eine stimmungsvolle Atmosphäre ein und geht in die harmonische und melodische Energie der gesamten Band über, bevor er sich in seiner umfassenden Ruhe wieder auflädt. Der Song ist vollgepackt mit emotionaler Energie und ist durchweg spürbar, und das bei einer hervorragenden Produktion, wohlgemerkt. Zudem ist das Musikvideo mit einer kleinen Geschichte ausgestattet, die wohl jeden Atem gefrieren lässt.

Obwohl Light Bends auf vielen komplexen Ebenen glänzt, liegt ihre herausragende Qualität in der sorgfältigen Verwendung von Synthesizern, die den Songs oft ein sehr cineastisches Gefühl verleihen. So erinnert die Atmosphäre, die die Band bei „Safer Here“ durch die Verschmelzung von Tasten und Gitarrenharmonien erzeugt, bisweilen an die elegant ausbalancierten Soundtracks von vielen großartigen Filmen.

Bei der ebenso im Vorfeld veröffentlichte Single „Heavy Tongues“ trifft die Metapher des Feuers alle Sinne. In rauchroten visuellen Szenen, mit wilden Textzeilen, die sich in die Erinnerung einbrennen, ist es, als hätte sich das Quintett aus Melbourne von Midnight Oil’sBeds Are Burning“ inspirieren lassen. Der Track knüpft nicht nur wortwörtlich an den Text an, sondern hat auch einen ähnlich tief empfundenen Aktivismus, gibt aber einen modernen Kommentar und Kontext.

In „Antipathy“ wird dem Hörer die Feindseligkeit des Schlagzeugs – und des Rests der Band, um ehrlich zu sein – direkt ins Gesicht geworfen. Im letzten Part wird das Tempo leicht gedrosselt, um noch härter zu sein. Sänger Josh Cory kommentiert den Track wie folgt:

“Antipathy is a song that we wrote to channel and cleanse some of the more negative emotions that we had during the time. It’s certainly the most quote/unquote “angry” song of the album, but it is not that simple. The name itself means that you severely dislike something, or have a strong aversion to it, so the lyrics and instruments try to address this as a double entendre. We feel this deep-seeded anger towards a subject, and also to ourselves for letting it drag us down. It’s a song about the vicious cycle of anger, and how we may try to break that, praying that we and the subject both make it out. There can be no hope without despair, no love without loss.“

Translucent Blues“ taucht in die Melancholie von Pridelands ein und liefert ein reumütiges Stück, das die Depression in sich aufnimmt. Die schlichte, mit starken Effekten versehene Instrumentierung bildet den Rahmen für Corys melodiösen Gesang, der von geradem Gesang bis hin zu Growls reicht. Fowlers Gitarrensolo verkörpert die Emotionen von „Translucent Blues“ mit langgezogenen Oktaven, die über dem Mix sitzen und Raum und ein Gefühl des Bedauerns schaffen.

Einer der Tracks, wo sich das Schlagzeug absolut in den Vordergrund rückt, ist „Evergrowth„, dem vorletzten Stück des Albums. Die Atmosphäre, die in diesem Stück erzeugt wird, ist einfach großartig, und am Ende, wenn das Schlagzeug einsetzt, öffnet es sich wirklich.

Ganz anders zeigt es sich dann im letzten Song der LP. In „The Sun Will Find Us“ bekommt endlich auch der Bass von Daniel Lohrey seine Aufmerksamkeit. Wenn man sich darauf konzentriert, kann man hören, wie er einige wirklich beeindruckende Sachen auf dem Bass spielt.

Fazit:

Für ein Debütalbum ist es absolut bemerkenswert und ein großer Warnschuss an die Welt, dass diese Band nicht zu übersehen ist. Die Darbietung jedes einzelnen Mitglieds ist eine dominierende Zurschaustellung von Selbstvertrauen und Kompetenz, wobei kein Mitglied gegen ein anderes um den Platz im Rampenlicht kämpft. Es herrscht ein Gefühl der Solidarität, und das zeigt sich in vielerlei Hinsicht, sei es zwischen den beiden Sängern oder zwischen Schlagzeug und Gitarren.

Wenn dies nur ihr Debütalbum ist, kann man nicht sagen, wozu Pridelands fähig sind, wenn sie ihr Handwerk verfeinern und sich als Gruppe weiterentwickeln.

Rating: 8.5 von 10 Punkten, da es sich hier immer noch um ein Debütalbum handelt und wir Pridelands gerne zu noch mehr solch einzigartiger Musik ansticheln wollen.

Tracklist:

01. I Reach Into Your Heart
02. The Walls

03. Parallel Lines
04. Parted Time
05. The Lake of Twisted Limbs

06. Safer Here
07. Heavy Tongue

08. Antipathy
09. Translucent Blues
10. Evergrowth
11. The Sun Will Find Us

Line-Up:

Mason Bunt – Vocals
Joshua Cory – Vocals
Liam Fowler – Guitar
Daniel Lohrey – Bass
Joe Lipsham – Drums