Pressebild: Shadow Of Intent

Shadow Of Intent melden sich 2022 mit ihrem neuen Album „Elegy“ zurück.
Am 14.01.22 wird es quasi eine ganze Oase an Deathcorealben geben, denn nicht nur besagte Band wird neue Musik veröffentlichen sondern auch Fit For An Autopsy, Enterprise Earth und Worm Shepherd! Doch lasst uns heute bei Shadow Of Intent bleiben.
Produziert wurde das Ganze im persönlichen Studio von Gitarrist Chris Wiseman, wohingegen die Orchestralen-Parts vom Fleshgod Apocalypse-Frontmann Francesco Paoli kreiert wurden.
Der bereits vierte Longplayer der DIY- Band ist der direkte Nachfolger vom Erfolgsalbum „Melancholy“ (2019) und wird in folgender Review von mir unter die Lupe genommen.

Tracklist:

  1. Farewell
  2. Saurian King
  3. The Coming Fire
  4. Of Fury
  5. Intensified Genocide
  6. Life of Exile
  7. Where Millions Have Come To Die (feat. Phil Bozeman)
  8. From Ruin… We Rise
  9. Blood in the Sands of Time (feat. Chuck Billy)
  10. Reconquest
  11. Elegy I: Adapt
  12. Elegy II: Devise
  13. Elegy III: Overcome

Auf einer neuen Ebene

Mit 13 Tracks und einer Laufzeit von über einer Stunde legt der Longplayer schon mal die Messlatte in seinem Genre sehr hoch.
Waren die ersten beiden Alben noch fest mit dem Spiel „Halo“ verbunden, so wurde bereits mit „Melancholy“ eine viel persönlichere Ebene entdeckt, die nun mit „Elegy“ weitergeführt wird.

Das ganze wird von Shouter Ben Duerr wie folgt beschrieben:

„What prompted the change was age, I think. We are proud of those records but we wanted to write about more mature topics, and delve into other things we are interested in, both musically and lyrically. Each song on Elegy is a piece or moment in our history, which either attempts to portray a human being in unthinkable situations that there is no preparing for, or covering events where the gall and brutality of human capabilities are shown at gruesome detail.“

Lasst uns nun mit dem Album beginnen.

Los geht es mit „Farewell“:

Unheilvolle Drums werden zu Beginn von einem Chor begleitet. Diese bedrohlichen, wie auch engelsgleichen Töne sind jedoch nicht von Dauer, denn ruckartig setzen blitzschnelle Blast-Beats und Gitarren ein. Shouter Ben Duerr kommt nun auch zum Einsatz und klingt dämonisch wie nie. Der Track ist sehr rasant und wird überwiegend von Duerrs Vocals getragen, nur, um in einem knapp einminütigen Gitarren-Solo gespickt mit fetten Vocals zu Enden. Ein wahrhaftig epischer Einstieg in „Elegy“!

Track Nr. 2 trägt den Namen „Saurian King“:

Ein kurzes Gitarren-Solo macht den Anfang und wird unmittelbar in eine furiose Headbangnummer verwandelt. Neumitglied Bryce Butler gibt alles am Schlagzeug und auch Vocalist Ben Duerr setzt mit deftigen Shouts ein. Das Orchester ist wie immer bei Shadow Of Intent exzellent eingearbeitet und gibt dem Ganzen den epischen Touch. Der Track ist nicht ganz so schnell wie sein Vorgänger, kann aber auf ganzer Linie überzeugen. Die Nummer hat definitiv alles, was die Band auszeichnet.

Furios geht es mit „The Coming Fire“ weiter:

Die extrem schnelle Nummer setzt direkt mit brutalen Blast-Beats und einem mehr als starken Ben Duerr ein.
Der Track wirkt wie ein Marschlied, das man auf dem Weg in eine Schlacht hört und ich glaube, genau das wollten die Jungs bewirken. Butler spielt am Schlagzeug so schnell, dass man sich echt fragt, wieso der Herr noch nie an größeren Produktionen beteiligt war. Die Riffs bilden eine epische Symbiose mit den orchestralen Elementen. Geigen finden zum Schluss ihren Platz und bilden die nötige Spannung im Track.

Kommen wir zu einer der bereits veröffentlichten Singles „Of Fury:

Die Nummer wurde vor einiger Zeit als Single veröffentlicht und dürfte schon vielen bekannt sein.
Eine Melodie, die mich eher an einen Jahr- oder Weihnachtsmarkt erinnert, bildet das Kernelement und ich muss gestehen, dass der Track einige Durchläufe bei mir brauchte, aber verdammt: der Song passt perfekt zu seinen Vorgängern. Durch Verspieltheit, genialem Groove und doch sehr überraschenden Klängen stellt er für mich ein absolutes Highlight dar. Musikalisch wird hier alles geboten und man merkt, dass die Herren ihren jeweiligen Part perfekt beherrschen.

„Intensified Genocide“ dürften auch viele bereits kennen, da es die erste Single-Auskopplung war:

Die Nummer war der erste Vorgeschmack auf „Elegy“ und bereits hier war klar, dass Shadow Of Intent eine ordentliche Schippe an blackened Riffs, Blast-Beats und Aggressivität in den Longplayer stecken werden. Absolutes Highlight hier: Ben Duerr. Denn dieser Junge shoutet hier so schnell, dass es absolut nicht mehr menschlich klingt. Durch seine treibende Schnelligkeit wird der Track live für absolut geniale Cirlce-Pits sorgen – da bin ich mir sicher! Bryce Butler scheint sein Schlagzeug in diesem Track regelrecht zu verprügeln, was hier geliefert wird, ist purer Krieg!

„Life Of Exile“ bietet auf einmal richtig viel Abwechslung:

Die Aggressivität wird komplett rausgenommen und der Track wird von einem orchestralen Part eingeläutet. Duerr setzt ein und erinnert mich mit seinen Vocals extrem an den „Sprechgesang“ von Dimmu Borgir. Die Nummer könnte tatsächlich als Ballade bezeichnet werden , denn die „Intensität“ von seinem Vorgänger wurde komplett abgelegt und es wird sich mehr auf Melodien und Clean-Vocals beschränkt. Wenn man bedenkt, welche Tracks davor und danach spielen, dann vermittelt der Track nochmal ein ganz anderes Gefühl. Hier möchte ich aber auch nicht zu viel verraten, denn die Nummer muss man einfach selbst erlebt haben.

„Where Millions Come To Die“ springt von einer Generation in die nächste:

Man nehme zunächst zwei Generationen des Deathcores und packt sie in einen Song, was bekommt man dann? Richtig, Whitechapel und Shadow Of Intent!
Erstere hat das ganze Genre vor vielen Jahren mitbegründet und zweitere ist die nächste Generation, die nun scheinbar das Zepter übernehmen soll.
Doch kommen wir nun zum Track: Fette Blast-Beats und ein rotziger Duerr machen den Anfang. Orchestrale Parts geben wieder die nötige Spannung und geben sich mit Duerrs absolut schnellen Shouts die Hand. Bereits nach der ersten Minute ist es so weit und Gastpart Phil Bozeman setzt ein. Sein Part kann tatsächlich der alten Whitechapel Ära zugeschrieben werden, denn die Jungs haben bereits vor 2 Alben ihren Style deutlich verändert. An dieser Stelle kann man auch ganz klar erkennen, wen Ben als Vorbild hat. Beide Vocalisten klingen so ähnlich, dass es beinahe gruselig ist. Natürlich darf ein Gitarren-Solo à la Chris Wiseman nicht fehlen. Ein guter Mix zweier Generationen.

Die weitere Single-Auskopplung „From Ruin… We Rise“ folgt:

Der Track nimmt das Tempo aus seinem Vorgänger raus und hat wieder den Dimmu Borgir „Sprechgesang“-Vibe.
Die sehr rotzige Nummer wirkt im gesamten Konstrukt komplett anders als für sich allein stehend. Die Gitarren- und Schlagzeugarbeit sind sehr verspielt und wechseln ständig zwischen schnellen und langsamen Momenten. Damit scheinen sie alles quasi in Grund und Boden zu stampfen. Komplett abholen kann mich der Track leider trotzdem nicht.

Ein weiteres Feature findet sich auf „Blood In The Sands Of Time“ wieder:

Das Tempo wird wieder aufgenommen und es geht sofort in die Eisen. Schnelle Riffs, Blast-Beats und ein furioser Shouter geben sofort alles und verwandeln den Track von Anfang an in eine brutale Nummer. Ich bin immer wieder beeindruckt wie schnell Ben shouten kann, da freue ich mich bereits auf die erste Livesause bei uns! Das Feature mit Chuck Billy von Testament ist auch wieder eine Verneigung vor dem Alten, denn die Jungs haben wie Whitechapel ein ganzes Genre geprägt. Leider kann mich dieser Part nicht so überzeugen, da er für mich mit Bens Stimme nicht harmoniert. Von langer Dauer ist er jedoch nicht und die Jungs können den Track in ihrer eigenen Manier weiterführen. Das Ende wird episch mit Geigen abgeschlossen und verleiht dem Track noch mal einen schönen Schlussmoment.

Mit „Reconquest“ wird es instrumental:

Der Track startet mit einem ‚rammsteinartigen‘ Riffing und überrascht mich tatsächlich.
Verzehrte Gitarren tragen den Song und sollen scheinbar das, was war, beenden.
Ben Duerr darf eine Pause machen und überlässt den anderen Mitgliedern die Bühne.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass es das Ende des Albums sei, doch es kommen tatsächlich noch ganze drei Tracks!

Zum Abschluss folgt nämlich die „Elegy“ Trilogie

Fangen wir mit den ersten Teil „I: Adapt“ an:
Ben Duerr ist wieder mit von der Partie und der Track setzt mit Clean-Vocals ein. Keine Sorge, es wird auch etwas geschrien.
Die Nummer ist recht verspielt und bereitet scheinbar introartig den Beginn für seine beiden Nachfolger vor.
Gegen Ende wird das Tempo angezogen und geht unmittelbar in Teil II über.

„II: Devise“: 
Wie vermutet setzt Duerr mit fetten Shouts ein, der Rest wird mit den bekannten, orchestralen Parts gespickt und verwandeln den Track in eine wunderbare Nummer, die ich liebend gerne live sehen würde. Die super verspielten Gitarren sind ein absolutes Highlight in dem Track. Im Mittelteil setzen wieder Clean-Vocals ein und geben nochmal das nötige Etwas. Hier wird ordentlich Spannung aufgebaut und ich hätte nach „Reconquest“ nicht gedacht, dass die Jungs noch mal so hochfahren würden. Die Band beendet den Song genauso wie sie ihn begonnen haben: gemeinsam.

Das Schlusslicht bildet „III: Overcome“

Die letzten drei Nummern gehen in Einem über und ergeben so eine Einheit.
Rotzige Riffs machen den Anfang und verbinden sich perfekt mit Duerrs Shouts.
Wir hören den bereits bekannten Sprechgesang und der Track wandelt sich durch Clean-Vocals zu einer epischen Nummer, die zurecht den Schluss des Longplayers bildet. Nach zwei Minuten wird das Tempo nochmal deutlich angezogen und der Track gestaltet sich mit jeder Sekunde rasanter und spannender. Blitzschnelle Riffs fusionieren mit einer brillanten Schlagzeugarbeit und natürlich dürfen Duerrs Shouts nicht fehlen. Ein ruhiges Outro lässt den Track auslaufen und beendet so die „Elegy“ Trilogie und das Album.

Fazit:

Shadow Of Intent haben es geschafft, den allgemeinen Deathcoremantel abzulegen und kreieren ihren ganz eigenen Sound mit einem Mix aus Death- und  Blackmetalelementen, verfeinert mit epochalen Orchestralarrangements. Viele haben gedacht, dass Ben mit seinen Vocals versuchen wird, Will Ramos (Lorna Shore) in Sachen Härte und Abgefahrenheit zu übertreffen, doch er und die Band sind einen ganz anderen Weg gegangen und sind somit nur noch schwer mit Lorna Shore oder anderen Genrekollegen wie Mental Cruelty vergleichbar. Das Album klingt sehr erwachsen und muss sich nicht durch Breakdowns beweisen. Technisch gesehen ist „Elegy“ auf absolutem spitzen Niveau und optimal produziert. Drummer Bryce Butler zeigt sich auf seinem Debut-Album absolut meisterhaft und ich freue mich hier schon auf mehr!
Gitarrist und Produzent Chris Wiseman spielt gigantische Solis, als ob es nichts wäre und Shouter Ben klingt dämonisch wie nie. Die Orchestralenparts sind perfekt eingearbeitet und wirken an keiner Stelle aufgesetzt oder unpassend. Das Album wirkt alles in allem sehr harmonisch und stellt einen würdigen Nachfolger von „Melancholy“ dar.

9/10 Punkte

Autor: Maik