Die aus Ohio stammende Band „The Plot In You“ liegt vielen Fans aus der Szene sehr am Herzen – so auch uns.
Trotz der vielen Soundänderungen, die die Band bisher durchgemacht hat, gab es doch immer etwas, was uns zu den Jungs um Vocalist Landon Tewers zurückgebracht hat. Ja, selbst nach dem durchbrechenden und mitreißenden Album „Happiness In Self-Destruction“ aus 2015, nachdem sich der Sound sehr stark verändert hatte. Das 2018er Hit-Album „Dispose“ markierte dann eine neue Ära für TPIY. Man verabschiedete sich ein wenig von dem früheren „Ich“ und erschuf eine völlig neue Ebene, auf der man sich gemeinsam bewegte. „Dispose“ war damals ein sehr spezielles Album, denn obwohl wir es nicht nach dem ersten Hören direkt noch einmal auflegten, ist es uns trotzdem ans Herz gewachsen. Und wir denken, dass ihr diese Einschätzung mit uns teilt. Besonders die großartigen Hooks von Sänger Landon Tewers waren bei dem Longplayer stärker als je zuvor und mit der Zeit lernten wir dies auch sehr zu schätzen. Der verstärkte Fokus auf Elektronik, Streicher und im Grunde alles, was sich nicht Breakdown schimpft, trug dazu bei, dem Album eine eigene Identität zu verleihen.

Diese Entwicklung in der Vergangenheit ist demnach sehr positiv für TPIY verlaufen. Mit vier Alben und zwei EPs hat das Quartett wirklich ein großes Repertoire an Musik geschaffen, wo bestimmt jeder mindestens eine Hand voll an sehr guten Tracks in seine Playlist packen würde. Und damit kommen wir nun zu „Swan Song“, welches übrigens das zweite Album ist, bei dem Landon Tewers nicht in allen Bereichen der Produktion die Zügel selbst in die Hand genommen hat.

Das Erste was uns direkt nach der ersten Single-Auskopplung von „Swan Song“ aufgefallen ist, war die Tatsache, dass die Band scheinbar darauf besteht, die poppigere Seite von „Dispose“ mit einem super düsteren, aggressiven Sound zu kombinieren. Und sind wir ehrlich: haben wir uns nicht alle genau diese Mischung von TPIY gewünscht? Zeit sich die einzelnen Tracks etwas genauer anzuschauen!

Der Opener „Letters To A Dead Friend“ und auch der zweite Song „Fall Again“ lassen sich melodisch sehr gut verbinden und zusammenfassen. Beide Titel stehen sich in nichts nach und bereiten die Bühne für das neue Werk der Jungs aus Ohio perfekt vor. Im ersten Track sind wir etwas geplättet, denn wir bekommen ein verdammt gutes Intro geboten, welches uns an jenes in „Dispose“ erinnert. Die ruhigeren RnB-Vibes zu Beginn sind schon etwas völlig anderes und bringen einen frischen Wind mit, der aber mit stetig wachsender Minutenzahl sich zu einem Sturm steigert. Melodisch und auch lyrisch schwingt der Song um, wird instrumental düsterer und der Gesang erzürnter. Am Ende gibt es eine ordentliche Ladung Screams auf die Ohren und genau das wollten wir hören.
„Fall Again“ macht genau dort weiter, wo „Letters To A Dead Friend“ aufgehört hat. Dieses Mal beginnen TPIY direkt etwas schneller und härter. Leider kommt es uns so vor, als würden die Drums etwas untergehen und weniger den Takt angeben. Diese flachen im Gesamtkonstrukt leider das ein oder andere Mal noch mehr ab. Zum Glück ist es bei den Vocals ganz anders, da Landon unter anderem im Refrain mit seinen Killer-Screams alles aus sich herausholt.

Emotionaler geht es dann mit „Face Me“ weiter. Dies war zudem die erste Single vom neuen Album. Unserer Meinung nach eine perfekten Wahl, wenn man danach dann das restliche Album hört. Auch bei diesem Titel baut sich die Melodie langsam auf, beginnend mit den Synthies kommen immer mehr Geräusche und Instrumente dazu und ebnen den Weg eines ausgewogenen Gesamtbildes. Ein kurzer Shout eröffnet eine Art Sprechgesang aus dem Off und der starke Drop zum Ende hin, wird von der Aufnahme einer Frauenstimme eingeleitet. Die verschiedenen Gesangs-Stile, der eingängige Refrain und die sich steigernde Melodie klingen auf jeden Fall und auch in Hinblick auf baldige Live-Shows vielversprechend.

Den Hintergrund zu dem Song beschreibt Sänger Landon so: „I was in a place in life where things just did not seem like they were working out. You’re feeling lost, but then you meet someone who is so put together. You’re in a rough place, and you don’t want to drag this other person down. At the same time, you want to hold on to this new special thing. You realize you have to let go of something beautiful sometimes.“

„Too Far Gone“ ist ein wahrer Leckerbissen. Um die gefühlvollen Vocals zu unterstreichen, wurde ein Chorgesang in den Hintergrund eingespielt, der die Harmonie des Tracks ausmacht. Der ansteckende Refrain lädt zum Mitsingen ein und das hymnische, Streicher lastige Instrumental setzt dem Ganzen hier die Krone auf. Sänger Landon stellt auch hier wieder einmal sein Gesangstalent unter Beweis, denn obwohl er uns mit der Zeile „If you need to leave, take every fragment of me – when I try to love, my failure sweeps through the sea“ sein Herz ausschüttet, darf ein Mark erschütternder Scream nicht fehlen. Darauf hat sich der Junge mittlerweile spezialisiert und dürfte dafür gerne Patent anmelden.

Mit „Paradigm“ erwartet uns die letzte Single-Auskopplung. Auch hier geben TPIY wieder von Beginn an Gas, doch leider ist der Song auch so schnell wie er begonnen hat, wieder zu Ende. Das ist in diesem Fall etwas schade, da die Experimentierfreude der Band bei diesem Track besonders hoch war. Die elektronischen Beats am Anfang und die gescreamten Strophen, gepaart mit harten Gitarrenriffs und einem wunderbar melodischen Refrain haben ein verdammt gutes Klangbild abgegeben.

Auch bei diesem Song hat Landon etwas Interessantes anzumerken: „It’s probably the darkest track on the record, I had a friend who was really wrapped up in the drug world—the business side and as a severe user. He was bringing everyone down around him. He got sucked into that lifestyle very hardcore and ended up losing his life. You can’t latch on to people who are damaging and potentially harmful. You have to save yourself.“

Dieser Hintergrund verleiht dem Titel nur noch mehr Tiefe und macht ihn zu einem ganz Besonderem auf dem ganzen Album.

Als Nächstes bekommen wir mit „Both To Blame“ wahrscheinlich den „Heartbreak“-Song des gesamten Albums zu hören. Beginnend mit den flüsternden Worten einer Frauenstimme „Who do you wanna be“, die den gesamten Track über immer wiederkehren, verspricht dieses Stück etwas ganz Besonderes zu werden. Landon singt sich in den Bridges bis hin zum Refrain mit so viel Emotion und haut uns dann mit seinen schreienden „liebevollen“ Worten um. Zu dieser interessanten Mixtur, welche wir zuvor auf dem Album schon des Öfteren gehört haben, wurde hier noch ein Piano dazugegeben, welches den Song auf ein neues Level hebt.

Das Stück „Too Heavy“ verbindet dann wieder die härtere und die poppigere Seite von TPIY. Hier stehen deutlich die Cleans im Vordergrund, welche am Anfang nur ein wenig mit den Drums begleitet werden. Auch hier baut sich der Song wieder einmal melodisch auf und lässt beim Höhepunkt wieder Streicher ihr Werk vollbringen. Die Symbiose aus harten und lieblichen Klängen gelingt dem Quartett wieder einmal, doch im Vergleich zu einigen Songs auf „Dispose“ klingt es in diesem Fall ein wenig erzwungener und leider nicht ganz so frei wie beispielsweise bei „Feel Nothing“.

„Enemy“ war die zweite Single-Auskopplung und macht es etwas anders als sein Vorgänger. Auch hier haben sich TPIY ein ganz besonderes Instrument ausgesucht, um es in den Vordergrund zu stellen: den Bass. Doch besonders die düsteren Klänge werden uns erschütternd entgegen geworfen und verleihen dem Song eine ordentliche Tiefe. Des Weiteren fällt die ausgewogene Mischung aus Scream-Vocals und Clean Parts, unter anderem von einer weiblichen Stimme im Background, auf. Bei diesem Track werden deutlich die neuen Ideen der Band mit den alten Einflüssen verbunden. Und wieder können wir sagen, dieser besondere TPIY-„Cocktail“ schmeckt hervorragend!

Bei dem vorletzten Song „Whole Without Me“ erwartet uns ein Highlight. Die Stimmung des Titels ist schon von Beginn an anders, angespannter. Der beinahe acoustic begleitete Sprechgesang wird schnell von „creepy“ elektronischen Beats abgelöst, die im Laufe in eine bedrohlichere Melodie um schwingen. Die Aggression im hasserfüllten Gesang von Landon unterstützt die Atmosphäre und fühlt sich ein wenig vertraut an (wir erinnern uns hier gerne an emotionale Stücke von „Happiness In Self-Destruction“ zurück). Die Art und Weise, wie sich dieser Track von seinen ruhigen, zurückhaltenden Anfangsmomenten zu einer unglaublich genialen und kraftvollen Schlagzeugarbeit von Michael Cooper steigert, ist einfach gesagt nur traumhaft.  Der wirklich wütende, mit Riffs und Groove beladene Schlussakt dieses Tracks zieht uns in seinen Bann und eröffnet erwartungsvoll das Finale des Albums.

Den abschließenden Höhepunkt setzt dann der letzte Track „Freed“. Angelehnt an das Intro, allerdings mit einer gehörigen Menge mehr Selbstbewusstsein und Energie, ist dies der große Knall von dem alle immer sprechen, wenn man ein Album beenden möchte. Die geloopte Melodie am Anfang wirkt hypnotisierend und fängt die Zuhörer ein. Doch dann kommt es zu einer melodischen Wendung, denn die eher elektronisch beladenen, eingängigen Klänge verwandeln sich in wuchtige Gitarrenriffs und knallharte Drums. Unserer Meinung nach hätten TPIY keinen besseren Abschluss finden können. Die orchestralen Arrangements aus den „klassischen“ Metal-Band Instrumenten, wie Schlagzeug, Bass und Gitarre, sowie den Bläsern und Streichern, plus eine der besten Gesangsperformances runden das Album ab.

The Plot In You laden uns mit „Swan Song“ auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen ein. Die Symbiose aus gefühlvollen Lyrics zum Mitfühlen und starken Breakdowns zum Abgehen gefallen uns wirklich sehr. Besonders die härteren Saiten haben uns hier mehr als abgeholt. Es wird bestimmt den ein oder anderen Fan geben, der sich noch mehr Härte gewünscht hätte, doch wollen wir das wirklich? Besonders wenn solche Gefühle transportiert und verarbeitet werden? Wir denken nicht.

Landon hat das Album zusammenfassend perfekt beschrieben: „It was therapeutic to dispense all of these painful things from the past and wash out the negativity. This is therapy. It’s like how people keep journals. This is me being completely honest.“

Und genau das haben wir aus der Feder von Landon und den Jungs von TPIY zu hören bekommen!
Auch auf die Frage, ob das noch Metalcore ist, haben wir nur eine Antwort: ja, verdammt richtig. Es müssen nicht immer nur zwei Verse und unendlich viele Breakdowns sein, denn bei dieser LP haben wir auch gerne die poppigeren Passagen und elektronischen Klänge gehört. Instrumental gesehen war von Gitarre und Bass, über Drums und klassische Instrumente wie dem Piano, Bläsern und Streichern, alles dabei und es ist kein Musiker zu kurz gekommen. Genau durch diese Variation und das Experimentieren verschiedener musikalischer Einflüsse uns Stilmittel bleibt das Genre am Leben!

Wir haben „Swan Song“ gerne gehört und ein paar Titel haben sich einen festen Platz in unseren Playlists verdient. Für das Festhalten an gewohnten erfolgreichen Elementen und dennoch den Mut, Neues auszuprobieren, vergeben wir 8 von 10 Punkten!

Autoren: Alex und Seb

Tracklist:
1. Letters To A Dead Friend
2. Fall Again
3. Face Me
4. Too Far Gone
5. Paradigm
6. Both To Blame
7. Too Heavy
8. Enemy
9. Whole Without Me
10. Freed

Besetzung:
Landon Tewers – Vocals
Josh Childress – Gitarre
Ethan Yoder – Bass
Michael Cooper – Drums