Volumes haben während der Pandemie regelmäßig neue Songs herausgebracht. Unter anderem ist in diesem Zeitraum der Track „holywater“ entstanden, der bis heute einer der genialsten Tracks von den Kaliforniern ist. Am heutigen Freitag hat die Band ihr neues Album „Happier?“ über ihr Label Fearless Records veröffentlicht.

Die Progressive-Metalcore-Band aus Los Angeles besteht derzeit aus dem Bassisten Raad Soudani, den Sängern Michael Barr und Myke Terry und dem Schlagzeuger Nick Ursich. Ihr habt richtig gelesen, falls es bis heute an euch vorbei gegangen sein sollte. Michael Barr ist back, Baby! Mit der Co-Produktion am Mikrofon zwischen Michael und Myke dürfte das Potenzial der Band nie höher gewesen sein. Nach „holywater“ im Januar, erschien zudem noch eine weitere Standalone-Single. „Pixelate“ überzeugte ebenso wie sein Vorgänger. Jetzt kommt „Happier?“, ein Album, das auf den Schwung dieser Singles aufbauen soll. Die Frage ist, ob es den Erwartungen gerecht wird, oder ob es den Schwung, den diese Singles gesetzt haben, nicht ausnutzen kann. Diese Frage wollen wir nun mit euch klären – seid gespannt!

Das Album startet mit dem Track „FBX“, einem sehr anständigen und eingängigen Stück. Der instrumental lastige Titel wirkt eher wie ein Intro. Er verbindet letzten Endes dennoch Hardcore mit Screams von Michael und rotzige Gitarrenriffs, die den neuen Sound der Band auf Anhieb erkennen lassen. Was auch klar wird: die Produktion ist unerbittlich gut!

Der zweite Song „Malevolent“ ist ein weiterer wuchtiger Track, der wieder durch die Screams von Michael erst zu dem wird, was er sein soll. Denn direkt zu Beginn ist es durchweg heavy und nochmals heavy. Auch die djentigen Gitarrenriffs sind hier nicht von der Hand zu weisen. Man merkt direkt, Volumes sind am Start, um zu feiern und beginnen das Album direkt mit zwei Krachern. Die wuchtig klingenden Gitarren lassen unsere Köpfe zu den Beats einfach nur hin und her wippen, die Riffs sind wahrlich ansteckend.

„Bend“ ist dann der erste Song mit Clean-Vocals und zudem auch eine der Single-Auskopplungen. Dieser Song ist etwas gelassener und die Band scheint einen Gang zurückzuschalten, was nach den ersten beiden fulminanten Tracks auch völlig in Ordnung ist! Anstelle der lebhaften Aggression der Eröffnungsnummern ist „Bend“ unserer Meinung nach einer der besten Tracks, den die Band je geschrieben hat. Wunderschöne Gesangsmelodien gepaart mit geglätteten Vibes. Kombiniert wird das Ganze mit dem groovigen und fast schon angeborenen Schwung, den man von Volumes beinahe selbstverständlich erwarten würde. Bereits bei der Veröffentlichung der Single wussten wir, dass dieser ein Highlight des Albums werden wird. Michael Barr beschrieb den Song wie folgt:

Bend is about how, in a relationship, sometimes one person can break another while all along they never seem to bend or break themselves. It’s really about how we can easily turn into someone else and start to tear each other down.“

Es folgt die erste 2021-er Single „Get Enough“. Der Track hat ein paar mörderische Screams, welche aber durch die melodischen Cleans ausgeglichen werden und damit eine perfekte Symbiose bilden. Leider finden wir, dass dieser Track trotz der gelungenen Mischung etwas schwächelt. Die Gitarrenriffs und der Chorus wiederholen sich immer wieder und wieder. Das bedeutet nicht, dass der Song keinen Spaß macht, denn der wundervolle Refrain reißt uns dann doch mit. Doch leider kommt es uns vor, als würde das Ganze nicht an die Qualität des restlichen Albums herankommen. Auch der Breakdown verliert etwas an Energie, welche Volumes sonst immer so gut transportiert. Schade!

Bei „Lets Me Down“ gefällt uns besonders die sehr gute Balance zwischen Cleans und Screams gemischt mit ein paar richtig guten Gitarrenriffs. Das Djentige, was die Gitarren hier ausdrücken, erinnert sofort. ohne lange zu überlegen, an ältere Volumes-Alben. Außerdem fällt uns auf, dass die Band in diesem Track das erste Mal etwas am Bass geschraubt hat und dieser im Vordergrund landet. Das gibt einen fetten Daumen nach oben!

„Man on Fire“ gefällt uns dank seiner Härte ab dem ersten Ton, doch brilliert mit einem ganz anderen Aspekt. Denn lyrisch beschäftigt sich der Song mit dem Thema Rassismus und einer einhergehenden, barbarischen Anti-Einwanderer-Gesetzgebung. Dies fällt deutlich auf, aufgrund der beiden Textzeilen „Why do you hate me for the color of my skin?“ und „It cuts like a knife through your kin, your immigrant youth“ aus. Die beiden Sänger Michael und Myke bringen mit ihren Screams nicht nur unseren Körper in Bewegung, sondern wüten zusätzlich noch mit den Zeilen in unserem Kopf. Somit ist „Man on Fire“ nicht nur einer der härtesten Tracks, sondern eben auch durch seine Aussagen einer der Besten auf dem Album.

„Weighted“ bildet mit seinen weicheren Klängen das passende Gegenstück zu „Man on Fire“. Der Schein soll aber nicht trügen, denn hinter der ruhigeren Fassade verbirgt sich einer der aufregenderen Tracks, die in letzter Zeit im Metalcore erschienen sind. Ein wenig erinnert uns der Song an die Australier Void of Vision. Es ist besonders interessant und cool zu hören, wie die beiden Fronter harte Gitarrenriffs kombiniert mit ihren Screams mit einer etwas softeren und harmonischen Melodie in Einklang bringen.

„See You Again“ ist ein weiterer Hochgenuss, wenn es um djentigen Metal geht. Volumes geizen mal wieder nicht mit tollen Gitarenriffs, einem großartigen Instrumental und Screams, die unter die Haut gehen. Die Kalifornier stellen abermals unter Beweis, dass sie mit der neuen Formation voll ins Schwarze getroffen haben und stärker als je zuvor zurück auf der Bühne sind.

Nach den vorangegangenen Tracks folgt mit „Into You (Hurt)“ ein weiteres Highlight, welches sich an die Spitze zu „Bend“ und „Man on Fire“ dazu gesellt. Mit einer stimmungsvollen, an die Deftones erinnernden Energie für den melodischen ersten Teil des Tracks, überrumpelt „Into You (Hurt)“ den Hörer in der Mitte mit einem der interessantesten Breakdowns der gesamten Platte.

Der vorletzte Song des Albums „Void“ bietet mal wieder einen kontrastreichen Zusammenkunft zwischen einem melodischen Refrain und einem zweiminütigen Wutanfall, der mit einem einfach Riff beginnt und dann einen der besten Chorus des Albums bietet, angeführt von Sänger Myke Terry.

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, es folgt der Titeltrack selbst. „Happier?“ versucht den Longplayer auf einem absoluten Höhepunkt zu beenden und es gelingt. Der Song beginnt mit einer kleinen, aber feinen Klavierkomposition, welche eine harmonische .Einleitung bildet. Bevor uns Michael dann mit seinen Screams in seinen Bann zieht. Besonders der Refrain besticht durch die perfekte Synthese zwischen Michaels und Mykes Clean-Vocals. Trotz der etwas ausholenden Songlänge von einer fünfminütigen Laufzeit, bieten uns Volumes zum Ende ein atemberaubendes Erlebnis.

Volumes haben mit „Happier?“ ein weiteres großes Werk zusammengestellt, welches mit Sicherheit auch etwas härter als sein Vorgänger „Different Animals“ (2019) geworden ist. Fraglich ist, ob die Band hier auch den Geschmack ihrer Fans treffen wird. Wird die eingeschlagene Richtung ins Schwarze treffen? Wir sagen ja, denn Volumes erinnern mit dieser LP wieder mehr an die „wilden, jungen Zeiten“ der Band, als man mit dem Djenty-Metalcore auf die erste große Reise ging. Und sind wir mal ehrlich, erst damit haben sich Volumes zu dem entwickelt, was sie heute sind. Der Transfer von Michael Barr zurück zur Band hat sich vollends bezahlt gemacht. Herzlich Willkommen zurück Michael, und willkommen zurück Volumes.

Wir haben an dem neuen Album aus dem Hause Volumes nur wenig zu mäkeln gehabt und sind mit 8,5 von 10 Punkten auf jeden Fall „Happier?“ mit einem Ausrufezeichen!

Autoren: Alex und Seb

Tracklist:
1. FBX
2. Malevolent
3. Bend
4. Get Enough
5. Lets Me Down
6. Man On Fire
7. Weighted
8. See You Again
9. Into You (Hurt)
10. Void
11. Happier?