Morgen ist ein großer Tag für As Everything Unfolds, denn endlich erscheint ihr lang ersehntes Debütalbum „Within Each Lies The Other“!

Wir durften vorab schon in die Platte reinhören und um es euch vorweg zu nehmen: hört es euch an, es lohnt sich!

Für uns hat die sechsköpfige Band aus High Wycombe jetzt schon das Potential sich zu den besten britischen Metalcore-Bands dazuzugesellen.

Wenn ihr Lust habt morgen mit der Band in das Album reinzuhören, habt ihr ab 20:00 Uhr die Möglichkeit dazu (einfach hier klicken).

Und los geht es mit dem Opener.
„On The Inside“ ist der perfekte erste Song für ein Debütalbum. Nicht nur Sängerin Charlie Rolfe demonstriert uns gelungen ihre starke Stimme. Der Mix aus engelsgleichen Höhen und derben Shouts, in Kombination mit einem schwerfälligen Riff läutet somit auf spektakuläre Art und Weise das Album ein und weckt die Lust auf mehr. Der Refrain klingt so, als könnte dieser demnächst auch in einer großen Arena gespielt werden. Vermutlich wird dieser noch die nächsten Tage in unseren Ohren bleiben.

Der zweite Titel, welcher auch die zweite Single war, ist „Take Me There“ und beginnt etwas ruhiger, ab der Hälfte des Songs nimmt dieser jedoch wieder Fahrt auf. Durchaus hätte dieser Song eher weiter hinten landen können, um eben das Tempo aus dem Erstling nicht so derart zu unterbrechen. Dennoch macht dies den Song nicht zum „Skipper“. Immer wieder bringt sich Sängerin Charlie Rolfe mit ihren Gesangparts ein und dies soll auch der Schwerpunkt des Albums sein. Ihre Stimmer erinnert von der Wandelbarkeit und dem Stil ein wenig an Maria Brink von In This Moment.

„Wallow“ zeichnet sich mit grandiosen Gitarrenriffs und einem der besten Refrains aus dem Album aus. Am prägnantesten ist hierbei jedoch der Moment vor dem Breakdown, wenn Charlie mit den Worten „You turned everyone against me“ diesen einleitet. Der Song schafft die perfekte Stimmung in der sich jede Person hineinfühlen kann, die schon einmal in einer Beziehung alles gegeben und nichts zurückbekommen hat. Fast schon eine Hymne oder eher Kampfansage von allen gebrochenen Herzen und gleichzeitig eine Erinnerung daran, zu sein wie man ist. Dieser Song muss definitiv laut gehört und gefühlt werden!

Der sehr gradlinig wirkende Song „Stranger In The Mirror“ wird durch die vielschichtigen Gitarreneinflüsse und doch eher subtil klingenden Synthesizer nochmal ordentlich aufgepimpt. Hierbei kommt ungemein rüber, wie gut die einzelnen Bandmitglieder sich aufeinander abgestimmt haben. Doch auch hier liegt definitiv Gefühl in den Zeilen. Besonders „A victim of my mind and it’s only just begun“  lässt Sängerin Charlie Rolfe bildlich in unseren Köpfen erscheinen und erinnert daran manchmal den eigenen Gedanken mehr Gehör zu schenken.

Es geht weiter mit einem düster klingenden Intro von „I’m Not The Only One“. Der schnelle Schlagabtausch von klarem Gesang, tiefen Shouts und einem Sprechgesang zeigen erneut die Vielschichtigkeit von Charlies Stimme. Um den Sound abzurunden passen die Instrumente natürlich perfekt in das Klanggefüge, doch besonders die Drums sind ein Highlight bei diesem Brett.

Der nächste Track ist wieder ein etwas ruhiger. „Grayscale“ hat einen einprägsamen Refrain und einen kurzen aber besonders „nasty“ Breakdown, welcher dem Song am Ende noch eine gewissen Würze verleiht. Wichtig: auch dieser Song war eine Single-Auskopplung des Albums. Falls euch interessiert welche weiteren Gedanken die Band zu den Single-Auskopplungen hatte, so lest doch auch unser Interview mit der Band.

Nachdem wir mit einem Breakdown aus dem vorigen Song darauf warten, dass es wieder etwas schärfer wird, reiht sich „Stay“ ein. Hier fällt das Tempo auf, dieses wird in diesem Stück besonders ausgereizt. Schnelle Riffs gefolgt von tiefen schweren Bässen untermalen die diversen Stimmlagen, die Charlie erneut gekonnt einsetzt. Für mich hat der Track auf jeden Fall einen besonderen Sound, weshalb er zu einem meiner Liebsten auf diesen Album gehört.

„Let Me Go“ versucht das Tempo von dem vorangegangen Titel zu halten und startet zu Beginn mit einem gedämpften Gitarrensound. Der Gesang wirkt hier etwas entspannter, wodurch die Instrumente etwas mehr herausstechen und uns auf ganzer Linie abholen können.

Wir sind bei der ersten Single gelandet. „Hiding From Myself“ wurde bereits im September 2020 veröffentlicht und spricht mit seinen fast 500.000 Klicks auf Spotify Bände. Der Song gefällt denke ich wirklich jedem und zeigt deutlich, dass Metalcore noch mehr weibliche Stimmen gebrauchen kann. Auch bei diesem Song springen die Gefühle auf den Hörer über, sobald Charlie den Refrain anstimmt. Ich denke, dass nur wenige hier nicht mitsingen. Das Musikvideo, welches an Liveaufnahmen erinnert, vergrößert unser Konzertweh allemal und weckt die Lust, die Band auf der Bühne erleben zu wollen.

Ein sehr bewegender Song wurde für den Schluss aufgehoben. Mit „One Last Time“ schafft die Band eine unheimlich herzzerreißende Atmosphäre und das nicht nur durch eine der besten Gesangsleistungen von Charlie auf diesem Album. Auch die Gitarristen Adam Kerr und Owen Hill arbeiten in diesem Track perfekt zusammen. Zudem sollte man die Leistungen des jungen Mannes am Bass, George Hunt, und den Drummer Jamie Gowers nicht unter den Teppich kehren. Hier werden Schmerz und Leid auf die Spitze getrieben – wie passend, da wir auch schon fast am Ende angekommen sind.

Der letzte Song auf dem Album „Wither“ ist abschließend erneut ein etwas ruhiger Hit und transferiert ein ähnlich ruhiges Gefühl wie der Titel zuvor. Vermutlich wäre es auch hier besser gewesen, wenn man nicht beide Tracks nacheinander am Schluss in dieser Reihenfolge gewählt hätte. Aber somit haben wir einen entspannten Ausklang des etwa 40 minütigen Debütalbums der britischen Band.

„Within Each Lies The Other“ ist ein sehr gutes Debütalbum einer Band, der man anmerkt wie heiß sie ist, das nächste große Ding in der britischen Metal-Szene zu werden. Die Band ist breit aufgestellt, denn es sind nicht nur Post-Hardcore oder Modern Metal-Einflüsse zu hören, dazu gibt es auch Alternative Rock/Metal, Metalcore, Hardcore und Pop-Punk auf die Ohren. Alles klingt überraschend vielseitig, mitunter aufgrund der Frontfrau Charlie Rolfe, die eine gewisse Vielfalt in ihrer Stimme mitbringt. Es gibt wenig Bands, die so viele Einflüsse gekonnt miteinander verbinden.

Ein Vergleich zwischen As Everything Unfolds und Paramore ist zu Beginn berechtigt, jedoch sollte man AEU nicht als die härtere Paramore abstempeln. Ja okay, es gibt auf dem Album viele Pop-Elemente und Mitsing-Refrains zu hören und man könnte sich durchaus vorstellen, wie Hayley Williams den Refrain von „Grayscale“ singt oder ihren Kopf zu „Stay“ mitwippt. Am Ende sollte man diesen Vergleich dann doch als etwas Gutes ansehen, denn AEU können das Album nicht nur mit treibenden Metal-Riffs und harten Shouts füllen, sondern haben auch die Verbindung mit poppigeren Parts geschaffen, welche ihnen potenziell helfen könnten ein breiteres Publikum anzusprechen und den neuen Metalcore zugänglicher zu machen. Besonders die vielen einprägsamen Refrains könnten dazu führen, dass einige Tracks auch im Radio gespielt werden. Sie bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen den Genres, balancieren aber perfekt darauf.

So gesehen kann „Within Each Lies The Other“ ein kräftezehrender Hörgenuss sein, aber im guten Sinne. Die Band hat sich selbst für diese Platte in die Mangel genommen und das, was sie hervorruft, kann sehr anstrengend sein. Das steht in krassem Gegensatz zu Alben, die aufgrund der intensiven Langeweile, die sie hervorrufen, schwer zu hören sind. Für uns hätte die Reihenfolge der Songs durchaus besser angeordnet werden könne, da an sich keine richtige Geschichte erzählt wird, dies darf aber bei einem Debütalbum passieren. As Everything Unfolds haben keine Art von Album geschaffen, welches man sich im Hintergrund anhört ohne darüber nachzudenken. Es ist ein Album, das man fühlt, in welchem man viele Höhen und Tiefen durchlebt. Und wenn man das tut, dann haben AEU genau das erreicht, was sie damit bewirken wollten.

Für uns ist definitiv ein weiterer Stern am Himmel des Female Fronted Metal aufgegangen und deshalb gibt es von uns 8 von 10 Punkten (schließlich müssen wir noch ein wenig Luft nach oben lassen).

Autoren: Alex und Seb
Fotocredit: Long Branch Records