Das Warten hat ein Ende, Youth Fountain veröffentlichen am morgigen Freitag ihr zweites Studioalbum „Keepsakes & Reminders“ via Pure Noise Records!

Wir durften bereits reinlauschen und ohne jetzt schon zu viel zu verraten: von „alten posthardcorigen“ Youth Fountain Vibes, über ruhigere Songs, bis hin zu poppigen Pop Punk ist alles dabei.

Für alle, die Youth Fountain bisher noch nicht so auf dem Radar hatten, hier ein kleiner Rundumschlag.

2013 begann die Reise für die Band aus Vancouver (ehemals „Bedroom Talk“) bisher noch als Solo Projekt von Sänger/Gitarristen Tyler Zanon. 2017 holte er sich dann Cody Muraro ins Boot und das Duo feierte einige Meilensteine. Vom Release der ersten Single, über Signing bei Pure Noise Records, Tours mit u.a. Free Throw und Can’t Swim und nicht allzu letzt Release des ersten Studioalbums „Letters To Our Former Selves“ in 2019.

Mitte 2020 trennten sich dann die Wege von Zanon und Muraro. Laut Aussagen hatten beide einfach andere Vorstellungen von der Zukunft der Band. Muraro wurde einige Zeit später als der neue Sänger der Band Real Friends announced und Zanon widmete sich wieder allein Youth Fountain.

„I have these visions of how I want things to sound, and it’s up to me now to execute on them. This all started as a solo project, so why not keep it going?“ – Tyler Zanon

Der letzte Release „Letters To Our Former Selves Acoustic EP“ Ende letzten Jahres hat mit 4 reimagined Tracks des Debutalbums den perfekten Übergang zum neuen Material gemacht.

Dann wollen wir doch nun mal die neue Platte „Keepsakes & Reminders“ unter die Lupe nehmen!

Tracklisting:
1. My Metal Health
2. Century
3. Hideaway
4. Peace Offering
5. Reminders
6. Dark Grey
7. Vertigo
8. Aimless
9. Nosedive
10. Mishap
11. Jinxed
12. Take One Capsule a Day
13. Scavenger
14. Keepsake

Die ersten beiden Tracks bilden einen super Übergang ineinander und wurden auch als dritte und letzte Auskopplung inkl. Musikvideo gemeinsam released. In „My Mental Health“ nimmt Sänger Tyler Zanon sein Herz direkt auf die Brust und das Album startet direkt mit einem gefühlvollen Intro, beginnend mit Klängen aus der Akustikgitarre und Zanons Gesang. Dieser droppt ab Mitte des Songs und läutet das Album wunderbar ein.

Der Übergang zu „Centuries“ ist perfekt, ein sehr poppunkiger Song mit catchy Refrain, der einem direkt im Ohr bleibt.

Weiter gehts mit „Hideaway„. Der Track erinnert sehr an älteres Youth Fountain Material mit schnellen Drum Parts und signifikanter Gitarre. Auch Zanons rauchige Stimme kommt in dem Song sehr gut zur Geltung. Er geht nur knapp über 2 Minuten, weshalb er fast so schnell zu Ende ist, wie er begonnen hat. Nichtsdestotrotz ist er sehr aussagekräftig und eine tolle Abwechslung zu den noch folgenden eher ruhigeren Songs.

Der vierte Track „Peace Offering“ kam als erste Single bereits im Februar diesen Jahres raus. Bring on the Pop Punk Vibes! Der Song greift dabei das Thema und Zanons Erfahrungen auf, dass es schwer ist eine gute Grundlage an Beziehung aufzubauen, wenn man nicht wirklich mit sich im Reinen ist. Zum einen ist es schwer, diese Liebe anderen zu geben, als auch Liebe von anderen anzunehmen. So sehr man es möchte, ohne einen Funken Selbstliebe wird die Beziehung meistens dadurch getrübt. Ein toller und melodischer Track mit großem Wiedererkennungswert.

„And if you pull the heartstrings, I’m closed in with clipped wings. I couldn’t be enough for anyone when I hate myself.“

Reminders“ ist eine Überleitung auf die zweite Hälfte des Longplayers mit sehr sentimentalen Klängen, die sich immer weiter zuspitzen. Irgendwie wirkt er bedrückend, aber auch hoffnungsvoll. Genau das Gefühlschaos, was vielleicht viele in der aktuellen Lage bzw. generell durchleben.

Weiter geht es mit „Dark Grey„, einer meiner persönlichen Lieblingssongs. Er startet langsam mit einfachen Gitarrenklängen und Gesang, bis dann auch leichte Drums dazu kommen und die Melodie bilden. Generell einer der eher ruhigeren Songs mit catchy Refrain, der den Albumtitel aufgreift.

„I’ve been finding all these pieces of her Keepsakes and Reminders“.

Track Nummer 7, „Vertigo“ , geht wieder in die klassische Pop Punk Richtung mit einigen Post-Hardcore Parts. Es enthält ein Feature von Chase Brenneman, Vocalist von Living with Lions. Throwback zu Youth Fountains Duo Zeiten! Nicht ganz, Muraro kann niemand ersetzen, muss aber auch niemand. Zanon schlägt sich durch das gesamte Album sehr gut und schafft es auch, dass Youth Fountain mit nur einem Stimmpart trotzdem die Aussdrucksstärke behält.

Schnell und fetzig geht es weiter mit „Aimless„, ein flotter Pop Punk Track, der sicherlich den einen oder anderen kleinen Circle Pit live anstößt. Trotzdem bleibt der melodische Teil nicht aus und hält einige Parts zum Mitsingen bereit.

Nosedive“ steigt direkt mit Zanons Gesang ein und seine Stimme kommt in dem Track besonders gut zur Geltung. Man möchte eigentlich direkt aufspringen und tanzen. Zur Mitte wird der Song etwas ruhiger und könnte mit Sicherheit einer der Fan-Favoriten werden.

Mit wilder Gitarre startet der nächste Song „Mishap“ , ein eher posthardcore-lastiger Track. Das Zusammenspiel von Gesang und Shouts wirkt hier besonders gut.

„I don’t know how to escape the in-between“

Dieser, sowie jeder Song auf diesem Album, behält für den Hörer Lyrics bereit, die einfach auf den Punkt ansprechend sind und die wohl jeder schon mal in irgendeiner Weise gefühlt hat.

Track 11, „Jinxed“ , geht direkt ins Ohr und bleibt im Kopf. Er erinnert stark an eine Art early 2000s Pop Punk Song á la State Champs mit sehr melodischem Refrain und cleanem Gesang. Hier sowie in jedem Track merkt man auch, dass diesmal ein richtiger Producer mit am Start war. Den letzten Longplayer „Letters To Our Former Selves“ haben Youth Fountain komplett allein auf die Beine gestellt. Die Töne und der Gesang sind super crisp und sehr schön produziert.

Kommen wir zum vorvorletzen Song „Take One Capsule A Day“ . Mit sehr melancholischen Melodien untermalt und rauerer Stimme geht es in diesem Song, wie der Titel wahrscheinlich schon andeuten könnte, um das schwere Thema Depressionen und deren Behandlung. Von „It’s not like I’m living at all“ baut sich der Song auf und wird im Verlauf immer aggressiver, bis zum Ende „I’m still holding on, all along“. Viele der Lyrics entstammen aus Zanons eigenen Erfahrungen, die er niedergeschrieben hat. Gerade deshalb sind sie auch so authentisch, und holen den Hörer, der vielleicht selbst etwas ähnliches durchlebt oder durchlebt hat, absolut ab.

Die zweite Singleauskopplung „Scavenger“ ist ein besonderer Song. Da war nämlich klar, dass uns ganz bald das Album erwarten wird, was natürlich viele Fans gefreut hat. Ein rundum gelungenes Zusammenspiel aus allem was Youth Fountain ausmacht. Mit dem dazugehörigen Musikvideo hat er sicherlich bei dem ein oder anderen Fan auch schon einen gewaltigen Ohrwurm mit sich gebracht.

“Scavenger is about tackling subject matters of trying to find a reason or purpose to keep on living and searching for what ‘happiness’ is to myself (and still not knowing what the answer really is).” – Tyler Zanon

Mit „Keepsake“ bekommen wir noch einen turbulenten Abschluss Track. Er erinnert ein wenig an älteres The Story So Far Material mit Posthardcore Elementen und das macht richtig Bock! Man möchte eigentlich direkt auf ein Konzert, ’nen Circle Pit starten und das neue Album live erleben. Was hoffentlich im Februar möglich sein wird!

Fazit:

Kaum einer kann, meiner Meinung nach, die Themen Mental Health und Selbstreflektion so in Texten und Melodien verpacken wie Youth Fountain. Mit der neuen Energie, die Tyler Zanon in das (nun wieder Solo) Projekt steckt, hat die Zukunft sicher noch vieles zu bieten. Natürlich wird das Emo/Pop Punk Rad nicht neu erfunden, auch nicht von den Kanadiern. Aber die Lyrics und der Mix aus Emo, Pop Punk, Posthardcore und ruhigeren Elementen machen aus dem Stück eines, welches viele abholt und aus der Seele spricht. Für mich definitiv einer der Releases des Jahres aus dem Genre und eine tolle Weiterentwicklung der Band.

Punkte: 10/10

Bild: Pressebild

Autorin: Michelle

Falls ihr Bock habt Youth Fountain mal live zu sehen, im Februar kommen sie nach Deutschland! Als als Support von Cory Wells wird es ihre erste Tour außerhalb Kanada/USA, das sollte man nicht verpassen.

Tickets gibt es hier

05.02.22 – Münster, DE @ Skaters Palace Cafe
06.02.22 – Wiesbaden, DE @ Schlachthof
07.02.22 – Nürnberg, DE @ Z-Bau
09.02.22 – Stuttgart, DE @ Club Cann
10.02.22 – Solothurn, Schweiz @ Kofmehl Raumbar
11.02.22 – München, DE @ Backstage
16.02.22 – Berlin, DE @ Cassiopeia
17.02.22 – Leipzig, DE @ Naumanns
18.02.22 – Hamburg, DE @ Indra
19.02.22 – Köln, DE @ MTC