Das neue Album „In the Balance“ der Alternative-Metal-Band Defences aus Hertfordshire wird am kommenden Freitag, den 15. Oktober 2021 veröffentlicht. Der neue Longplayer ist eine Momentaufnahme der Erfahrungen, die Cherry Duesbury, die Haupttexterin und Sängerin der Band, in den letzten Jahren gemacht hat. Sie blickt auf die unvermeidlichen Schwierigkeiten einer globalen Pandemie sowie auf einige wichtige kulturelle Ereignisse zurück.

Der Zustand, den die Welt im letzten Jahr, sogar vielleicht in den letzten Jahren angenommen hat, hat den meisten Musikern eine Fülle an Inspirationen mit auf den Weg gegeben. Das ist es, was dem neuen Album von Defences seinen Rahmen gegeben hat. Ein Album, dass das Metalcore-Genre mit rockigeren Passagen und tieferen Melodien mischt. Es ist unausweichlich, wenn es um den Alternativen-Stil geht. Lasst euch selbst davon beeindrucken und hört auf jeden Fall rein.

„Something More“ ist wahsinnig druckvoll, melodisch und verspielt. Herausstechend sind die Clean-Vocals im Wechsel mit den Screams. Als Starter gibt dieser Song sehr gut den Ton restlichen Platte vor. Bemerkenswert ist das hohe Production Value des Albums, da die verschiedenen Spuren goldrichtig abgemischt wurden. Vor allem im Hintergrund passiert musikalisch von der Instrumentierung unbeschreibliches, was natürlich die technische Raffinesse der Band zeigt. Der Schluss von „Something More“ klingt etwas nachdenklicher aber gleichzeitig sehr hoffnungsvoll und positiv konnotiert.

Mit „Say It“ geht es mehr nach vorne, der Ton ist rauer und ein bisschen aggressiver. Gebrochen wird diese Stimmung mit einem wirklich gut geschreibenen Chorus. Danach rollt die Dampfwalze erbarmungslos weiter und wir finden hier einen gelungenen Live-Song zum moshen wieder, der aber die nötigen Pausen zum genießen liefert. Die letzte Bridge mündet in einen finalen energiegeladenen Refrain, welcher einem die Nackenhaare aufstellen lässt – einfach nur Gänsehaut!

Jetzt wird es sehr laut mit „Voices“, dem dritten Musikstück des Albums. Die Verses klingen atmosphärisch und etwas verträumt. Auch hier glänzt das Duett aus den Cleans von Sängerin und tiefen Shouts, die sich sehr der instrumentellen Kompositon auf dem Album anpassen. Das sorgt wirklich für Abwechslung und bietet uns echten Hörgenuss. Die inhaltliche Message wird einem im Chours gnadenlos in das Ohr geschriehen, sodass man sich ja nicht verhört.

Der vierte Song „In The Black“ ist vielleicht der erste heimliche Favorit der Platt, der von dem instrumentalen Aufbau an »Architects« „Lost Forever, Lost Togehter“ erinnert. Die eingängige Härte erwischt den Hörer mit voller Breitseite und es ist wirklich nicht zu verachten, wie viel Energie ein Song transportieren kann. Ein letzter Breakdown macht den Deckel drauf und zieht einem förmlich den Boden unter den Füßen weg.

„The Heart“ bringt eine andere Tonalität mit und da erinnert an die früheren Werke von »Monuments« ohne bekannten die Djent-Einflüsse. Im zweiten Drittel kommen die Synthesizer sehr zur Geltung und sorgen für einen ganz kurzen Break, die dem ausdruckstarken Song eine weitere Tiefe verleihen.

„False Gods“ wurde definitiv geschrieben für einen geschmeidigen Circle-Pit in einer verschwitzten Indoor Venue. Mit diesem Gefühl startet der Song, der wahrscheinlich in einen harten Moshpit ausartet. Hier ist die Double-Bass der Drums durchgängig am Arbeiten und treibt den Hörer mit seinem stampfenden Rhythmus wie am Fließband an! Kurzer Break, Luft schnappen, ehe die krächzenden Screams des Shouters sehr rotzig und dirty die klare und catchy Hook der Sängerin einleitet.

„Blue Candour“ nimmt das Tempo seines Vorgängers auf und wahrscheinlich haben wir hier vom Spannungsverlauf der Platte den Zenit erreicht, wobei die brachialen Klänge nicht mehr abreißen wollen. Die Tempowechsel von dem recht hohen Tempo in die Halftimeparts ist wie aus dem Lehrbuch komponiert. Ein Spiritbox-Vergleich ist an dieser Stelle zwar naheliegend, aber auch absolut unnötig, da »Defences« genug Individualität und eigene Power mitbringen.

Danach folgt ein gewaltiges Machwerk, indem jedoch ein hohes Maß an Leichtigkeit steckt. „For What It’s Worth“ verbirgt viele Melodien im Hintergrund, die als musikalischer Kit den gesamten Song verbinden und zu dem machen was es ist. Ohne diese Verspieltheit würde dem Song etwas fehlen. Der Refrain ist ein einziger Ohrwurm und auch hier steckt die Verspieltheit der Melodien, bis uns natürlich ein fetter mörderischer Breakdown eine Peitsche in Hand nimmt und uns auf die Fresse haut.

„Ocean Floor“ beginnt mit elektronisch Kicks und dem sanften Gesang der Sängerin, die den Song allein durch ihre Präsenz voll und ganz einnimmt. Beflügelt von einer atmosphärischen Stimmung funktioniert der Kontrast zu den harten Parts des Songs ziemlich gut. Der Vergleich zu Bands, wie »Thornhill« oder »Hollow Front« ist gar nicht so abwägig.

„Little Light“ überzeugt mit seiner positive Attitude und seinem sehr aufbauenden Charakter: Mut fassen und aus dem Gewohnten ausbrechen, das ist die Devise! Die Songstruktur von „Little Light“ ist vielleicht die Blaupause, um die Komposition des gesamten Albums zu verstehen. Dieser Song bringt mit seiner Emontionalität eine weitere Komponente und setzt einen Höhepunkt.

Sehr progressiv und alternativ ist das letzte Musikstück „Meant To Be“. Der Chorus arbeitet wieder mit Halftime, welcher die komplette Energie über dem Hörer entlädt und dessen Inhalt unmissverständlich an dem Vorgänger anknüpft. In einem letzten Fotofinish darf dann doch nochmal geprügelt und ein blastbeat-ähnlicher Rhythmus lädt dazu ein, ehe der tiefe Urschrei des Shouters in der Stille des Albumendes versandet.

Das Album macht sehr vieles richtig! Unserer Meinung nach ist das größte Kompliment für Musiker, wenn man sich am Ende eines Albums noch einen Song mehr wünscht und danach einen Weiteren, und das ist hier bei „In The Balance“ der Fall. Die Musik von Defences lässt den Hörer hungrig zurück, sehr zum Leidwesen des Replay-Buttons. Zwar erfindet die Band mit ihrem Album nicht das musikalische Rad neu – und das muss sie auch nicht – aber allein der Vergleich mit Namenhaften Bands, wie Thornhill oder auch Hollow Front zeigt doch, welche Energie und welches Potential in ihrer Musik steckt.

Autor: Yannick

Tracklist:

01. Something More
02. Say It
03. Voices
04. In the Black
05. The Heart
06. False Gods
07. Blue Candour
08. For What It’s Worth
09. Ocean Floor
10. Little Light
11. Meant to Be