Sentinels veröffentlichen am 22.10.21 über das Label SharpTone Records ihr full-length Debütalbum ‚Collapse by Design‘. Bis dato waren schon fünf Singles der Tracklist verfügbar: Inertia, Comfort in Familiar Pain, Albatross, Tyrant, To Wither Away.

Sentinels ist eine Progessive Metalcoreband aus New Jersey, gegründet im Jahre 2013. Nach den drei EP‘s ‚Idylle‘, ‚the World devide‘  und ‚Unsound Recollection‘ veröffentlichen sie mit ‚Collapse by Design‘ nun endlich auch ein ganzes Album!

Lyrics und Strukturen wurden alle vom Drummer Dave Rucki geschrieben. Das Album selbst handelt von Beziehungen. Insbesondere das Wachsen und sich Weiterentwickeln durch das Beenden solcher Beziehungen steht thematisch im Fokus. Von Suizidgedanken bis hin zum Finden neuer Hoffnung soll das Album eine Reise in das Selbst darstellen:

„One collective goal we’ve all had as a band was, when it came time to write and record our first full length album, that we make sure it’s the absolute best it can possibly be. ‘Collapse by Design’ hits every mark we were aiming for when writing & recording this album. It contains our heaviest and our most melodic material all in one body of work, and with the help of our producer Randy LeBoeuf, it elevated it that much more to something we never thought was possible. ‘Collapse by Design’ is a journey, not only musically but lyrically, and we hope that whoever listens uncovers something new every time.“  

Was dies tatsächlich für eine Reise ist, wird im folgenden Review Track für Track unter die Lupe genommen:

Es startet aggressiv und distanziert

Der Starter ‚Epitaph‘ hat ein recht langes Intro. Zwar stört die Länge nicht, erscheint jedoch auch nicht nötig. Trotzdem ist der Song ein kraftvoller Opener. Der aussagekräftige Titel ‚Epitaph‘ zu Deutsch „Grabinschrift“ oder auch „Totengedicht“ wirft den Hörer recht brutal und rau in das Albumkonzept hinein und liefert ungefähr eine Vorstellung, was das Überwinden einer Beziehung bedeutet.

Auch der zweite Song ‚Inertia‘ führt diesen rauen Ton weiter fort. Auf instrumentaler Ebene passiert zunächst eine Menge, besonders verzerrten Riffs bleiben vordergründig in Erinnerung. Während die Lyrics Verzweiflung transportieren, wirken die Vocals aggressiv und resignierend:

“I disconnect
Disconnect all the parts that kept this in tact
Pray for a soul to keep while I beg for inner peace
Selfishness has stripped from me, the gift of eternal sleep
Mental genocide
We are not the same, you and I”

Erst nach mehrfachen Anhören ist mir aufgefallen, dass Josh Hardimans kühlen wütenden Vocals nicht unpassend klingen, sondern wohlüberlegt die Distanz zu dem besungenen Gegenüber symbolisieren sollen. Es ist dennoch einer der Tracks, in welchen ich mich durch das A-rhythmische erst hinein hören musste.

 Wechsel zu emotional Hardcore Elementen?

Während die vorherigen Songs schnell und rau gewirkt haben, liefern Sentinels bei dem dritten Song ‚Comfort in Familiar Pain‘ eine langsame Härte. Hier stechen die rhythmischen Vocalpausen hervor, welche den Umschwung von distanzierter Wut in eine schmerzhafte Sehnsucht diesmal sehr emotional behaftet transportieren. Genretechnisch passiert ein Wechsel zu den schwereren emotional Hardcore Klängen. Der ruhige Ausklang fügt sich nahtlos in das Hörerlebnis ein und passt zu der Gesamtästhetik, welche Lyrics und Melodie aufbauen wollen.

‚Embers‘ wirkt leidenschaftlich chaotisch. Mit den verzerrten Riffs und den daraufhin einsetzenden Vocals wird einem ein vergleichbar atemloser Beginn geliefert, in dem man sich zunächst schwer einhören kann. Eingängiger und vergleichbar zum vorherigen Song gestaltet sich jedoch der melodische Part ab Mitte des Tracks.

‚Albatross‘ fühlt sich nach einer Reise immer tiefer in den Sumpf der Verzweiflung an. Die Lyrics über eine Form der Selbstentfremdung überzeugen anschaulich und berührend – ohne aufgesetzt zu sein.

„I divе down deep into the pits of despair“

Tragend und scheinbar im gesamten Album zum konzeptionell gesteigerten Einsatz kommend sind  melanchonische Melodien. Sowohl im Intro als auch im Outro liefern ebendise Melodien eine gewisse Ästhetik, die auf das eigene Gemüt abfärbt.

Voll Wut und Verbitterung geht es weiter!

‚Desecration (Isolation)‘ – Dieser Song überrollt einen regelrecht. Während der Beginn zwar aggressiv, jedoch weniger intensiv erscheint, fliegt der Breakdown einem regelrecht um die Ohren. Vollendet wird der Song mit einem gefühlvollen, melodischen Part, welcher den vergleichbar schwachen Beginn im Angesicht des Themenstichpunkts „Isolation“ wieder wettzumachen scheint.

Wer eine kleine Verschnaufpause bei den immer schwerer wiegenden Songs braucht, für den ist der Interlude ‚Solitude‘ das Richtige. Dieser bildet eine softe Melanchonie, die bei den immer schwereren Titeln eine erfrischende Zeit zum Ausatmen bietet.

Der Track ‚Tyrant‘ knallt einem regelrecht ums Ohr! Besonders Eindrucksvoll ist das durchgängige titelbezeichnende Motiv des Tyrannen bzw. abwertend bildlich, des Parasiten, dessen Tage gezählt sein sollten:

„Your kingdom rots while you sit up high
The end of the road is only far in sight
Self-righteousness will be your demise
Watch it fall apart in your hands
And face the crowd you led into the ground“

Die Storyline ist hier einfach stimmig. Ebenso auch die Instrumentals und die Vocals, welche insbesondere in diesem Song passend verwendet wurden.

 ‘To Wither Away’ startet mächtig und rasant. Die Instrumentals sind in diesem Song weniger kompliziert gehalten, was den Song leichter auch beim erstmaligen Hören leichter zugänglich macht. Verfasser und Drummer Ruki  erklärt, was es mit diesem Track auf sich hat:

TWA is about watching the best parts of yourself fade away. You’re becoming a hollow emotionless shell of who you once were. It also touches on toxic relationships, and how much they can change you as a person.“

Der gesamte Track wirkt düster und schmerzhaft aufreibend. Erneut eine passende, musikalische Darstellung von der gewählten Thematik des Selbstverlusts. An dieser Stelle erinnert die Komplexität mancher Songs und auch die atmosphärisch aufgeladene Stimmung der Instrumentals stark an Counterparts.

Von depressiver Grundstimmung zu einem Hoffnungschimmer?

‚Coalescence‘ beginnt wieder atmosphärisch, langsam und schwer. Dieses Tempo hält der Song stetig. Reizvoll sind hier vor allem die Vocals, welcher immer und immer mehr eine depressive Grundstimmung aufbauen. Auch hier kommt ein melodischer Anfangs- und Endpart zum Einsatz. Diese sind meiner Meinung nach ästhetisch und bilden immer einen stimmungsvollen Ein- und Ausstieg. Durch die Menge dieser Parts, ist es jedoch auch gut vorstellbar, dass dies für manch einen übererstrapaziert wirkt

Der elfte Track ‚Obsolete‘ startet schnell. Man wird direkt in den Song reingeworfen und kommt richtig in Pitstimmung. Trotz der großen Melodielast zuvor, überrascht der emotionale Twist hier dennoch.

Atlas‘ hebt sich durch seinen ruhigen Beginn ab, der im nächsten Schritt regelrecht zerschmettert. Der Song soll das finale Finden von Licht am Ende des Tunnels signalisieren. Während zu Beginn die depressive Grundstimmung anklingt, bietet ‚Atlas‘ ab der zweiten Hälfte einen erlösenden Hoffnungsschimmer an. Es ist ein Song, der durch seine A-Rhythmik zum Ende die Aufmerksamkeit weckt und einen irgendwie dann doch in den Bann zieht.

Fazit

Es handelt sich hier definitiv durch ein wohl durchdachtes Konzeptalbum, das das gesamte Gefühlschaos von Trennungsschmerz versucht abzudecken. Besonders ab der zweiten Hälfte tritt stark hervor,  dass die Songs etwas zu erzählen haben und man einfach in den Spannungsstrom hinein gesogen. Ein Minuspunkt ist die starke instrumentale Komplexität mancher Songs, welche einen manchmal in den ‚Autopilotmodus‘ schalten lassen. ‚Collapse by Design‘ ist auf keinen Fall ein Album, das man mal nebenbei laufen lassen kann, sondern eines, in das sich konzentriertes Hineinhören auf jeden Fall lohnt. Dafür gibt es 7 von 10 Punkten.

Tracklist:

01. Epitaph
02. Inertia
03.
Comfort in Familiar Pain
04.
Ember
05.
Albatross
06.
Desecration (Isolation)
07.
Solitude
08.
Tyrant
09. To Wither Away

10. Coalescence
11. Obsolete
12. Atlas

Autorin: Natascha Tez

Bild: Pressebild