Wer kann sich noch an unsere famose Bandvorstellung der Jungs von Voidemolition im vergangenen März erinnern? Niemand, nein? Das kann nicht sein! Denn die Modern Metal-Band aus Remscheid (NRW) hat mit ihren letzten Releases für ziemlich viel Wirbel in der Szene gesorgt. Durch die perfekte Symbiose von verschiedenen Metal-Richtungen (u.a. Metalcore, Deathcore, Progressive Metal, Old School Metal) spielten sich die Nordrhein-Westfalener mit ihrer EP „Arise“ (2018) und den bishre veröffentlichten Singles in die Herzen der Core- und Modern-Metal-Liebhaber.

Als in 2019 die wegweisende Sinlge „Hate Me“ veröffentlicht wurde, war der Weg ganz klar geebnet: der erste Longplayer muss aufgenommen werden! Und genau dazu kam es dann. Natürlich, wie bei vielen der anderen großen Bands, mit etwas Verzögerung wegen der Corona-Pandemie. Das Debütalbum wird auf den Namen „Sanity“ hören und wird am kommenden Freitag, den 22. Oktober 2021, das Licht der Welt erblicken.

Wenn wir bereits etwas vorwegnehmen dürfen: musikalisch ist der Longplayer auf jeden Fall ein deutlicher Weg in die richtige Richtung! Es wird noch facettenreicher und beim ersten Hören wird man sich verwundert die Augen reiben und feststellen, dass Voidemolition gefühlt jede Art des Metal beherrschen und somit eine noch breitere Hörerschaft ansprechen.

Thematisch behandelt das Quintet psychische Probleme wie z. B. Depression, Angstzustände, Paranoia und sogar Suizid. Sänger und Schreiberling der Band, Dave Dannenberg, fügte noch hinzu:

„Es ist ein Thema, das leider immer noch viel zu wenig angesprochen wird. Wenn man verletzt oder krank ist, dann geht man zum Arzt. Wenn man emotionale oder psychische Probleme hat, wird man direkt als ‚verrückt‘ angesehen. Zumindest besteht dieser Irrglaube noch zu großen Teilen in unserer Gesellschaft.”

Somit bestreitet Voidemolition mit dem Album „Sanity“ einen Weg, den zur aktuellen Zeit wohl möglich nicht viele unbedingt gehen möchten, aber eben gerade diese Aspekte und Themen sollten laut der Band eben doch viel häufiger und offener angesprochen werden, um in der heutigen Zeit eben nicht unter den Tisch gekehrt zu werden. Doppelt gut, wenn ihr uns fragt.

Zur Eröffnung des Albums bekommen wir mit dem Track „Insomnia“ direkt ordentlich eins auf die Zwölf geprügelt. Die Lead-Gitarren stiefeln inklusive matschigen Drumming nach Vorne und Dave beginnt uns mit seinen Uncleans in einen Bann zu ziehen. Im Mittelteil leitet der Bass dann den ersten Tempowechsel ein, bevor es dann in den melodischen Refrain geht. Wobei wir damit nicht sagen wollen, dass der komplette Track nicht auf melodischer Seite total überzeugt. Ganz im Gegenteil! Eines der Markenzeichen der Band ist auf jeden Fall die melodische Ader. Gegen Ende gibt es dann auch direkt das erste Gitarren-Solo auf die Ohren. Auch eine Disziplin, die Voidemolition hervorragend beherrschen. Das Ende ist dann geprägt mit den ersten Hilfeschreien von Sänger Dave, zumindest kommen seine krächzenden Screams genau so bei uns an.

Dave selbst verriert uns, worum es im Eröffnungstrack geht:

„Insomnia behandelt, wie der Titel vermuten lässt, die Schlaflosigkeit. Nicht schlafen zu können ist Folter und führt gerne auch zu weiteren psychischen Problemen. Das wird auch durch das Uptempo des Songs dargestellt.“

Auf Nummer 2 befindet sich die Vorab-Veröffentlichung „Whiteout„. Bei diesem Lied handelt es sich auch um den ersten Vorboten zum neuen Album. Die Single wurde mit einem Musikvideo vor etwa 7 Monaten veröffentlicht. Der Song lebt von seinen krachenden Metalcore-Attitüden und lädt den Hörer auf jeden Fall in den nächsten Moshpit bei einer Live-Show ein. Erfinderisch sind die Jungs gerade in den Überleitungen zum Refrain geworden. Das Gitarenriff, welches gut und gerne zum Tanzen einladen könnte, leitet den verhehrenden Breakdown ein, der danach auf uns hinabbricht. Und hier sind wir wieder: ein wahrer Hörgenuss für Liebhaber des Metalcore!

Interessant ist die bandinterne Beschreibung zum Track „Whiteout„:

„Ein Whiteout ist ein meteorologisches Phänomen, vorwiegend am Nord- und Südpol oder auf hoher See, das auftritt, wenn an einem bewölkten oder nebeligen Tag der Horizont verschwimmt und man die Orientierung verliert. Eine Panickattacke nimmt einem ebenfalls die Orientierung. Damit beschäftigt sich der Song Whiteout.“

Direkt danach folgt der Titeltrack der Platte. Auf „Sanity“ zeigen sich Voidemolition von ihrer progressiven Seite. Wo wir dann auch direkt die einleitende Worte wieder zurück auf das Tableaut ziehen wollen. So facettenreich, wie sie sich auf diesen ersten 3 Tracks zeigen, haben wir es in letzter Zeit kaum auf einem anderen Album aus Deutschland gehört. Im Songtext zu „Sanity“ hinterfragt Sänger Dave den bisher gegangen Weg und blickt zurück. Natürlich kommt auch die Frage ins Spiel, wie es weitergehen soll. Von unserer Seite aus kann es genau so facettenreich und variabel weitergehen wie bisher. Großartig ist unter anderem auch der Einsatz von Cleanen und Uncleanen Vocals im Refrain. Eine verdammt gute Mischung, wenn ihr uns fragt.

Der Nachfolger „Against Myself“ startet erst sehr Verhalten mit dem Clean-Gesang von Sänger Dave, bevor dann mit den Worten „I´m not okay“ der „böste Teil“ erwacht. Denn wie der Name des Tracks bereits unmissverständlich feststellt, geht es im Song um den Kampf mit seinen inneren Dämonen und um das Licht am Ende des Tunnels nicht nur zu sehen, sondern auch zu finden. Besonders gut gefällt uns neben dem lyrischen Aspekt das Gitarrensolo gegen Ende des Songs plus die Vocals von Dave, die sowohl den Engel als auch den Teufel sehr gut heraus kristallisieren. In diesem Song geht es, so wie Dave es beschrieben hat, um Depressionen und dem bereits angesprochenen Kampf mit sich selbst.

„Wer unter Depressionen leidet oder diese erlebt hat, wird wissen, dass man in diesem Zustand sein größter Feind ist.“

Chainless“ wird mit einem düsteren Gitarrenriff eröffnet, bevor die Unclean-Vocals durch Knochen und Mark gehen. Die wuchtigen Drums in Verbindung mit den düsteren Gitarrensounds schaffen ein perfektes Klangbild für diesen Track. Der Breakdown zum Schluss hat es dann so richtig in sich! Die abwechselnden Melodien und der Wechsel zwischen Klargesang und Geschrei schärft hierbei den Blick auf die Instrumente, was uns richtig gut gefällt.

Sänger und Schreiberling Dave erklärte uns, welches Thema in diesem Song angesprochen wird:

„Chainless ist der Versuch sich aus seinen Problemen freizukämpfen und die Ketten abzulegen. Leider ist das nicht mal eben so erledigt, es ist ein stetiger Prozess, der mitunter eine Menge Energie kostet.“

Wer sich jetzt fragt, wo die Verschnaufpause bleibt, der ist bei Song Nummer 6 bei genau dieser angelangt. „Set Me Free“ startet sehr ruhig, melodisch nur mit Cleans und Gitarren. Erst mit Einsatz der Drums nimmt der Song etwas Fahrt auf, wobei wir in diesem eben fast komplett auf Screams verzichten müssen (außer in den Bridges). Doch das tut auch mal richtig gut! Auch ohne Screams und Growls kommen Voidemolition gut aus, denn Dave schafft es mit seinen versatilen Techniken den Hörer immer wieder in seinen Bann zu ziehen.

„Wenn man am Rande eines Burnout oder Nervenzusammenbruchs steht, hinein fällt und alles nur schlimmer ist, dann will man nur, dass es aufhört. Set Me Free!“

Auf dem vorletzten Track der Platte „Broken Voice“ schlagen Voidemolition dann direkt von Beginn an wieder um sich. Auffallend laut und kräftig sind die Drums von Drummer Dominik Wietrzykowski zu hören. Der Song geht auf jeden Fall in die Nu-Metal-Richtung, hat aber auch gehörige Core-Vibes. Die Patterns über der Stimme von Dave auf der Bridge haben wir so auf den vorherigen Tracks noch nicht gehört. Wieder etwas Neues! Im Refrain driftet der Track dann deutlich wieder in die melodiöse Schiene. Im zweiten Part wechseln die Jungs aus NRW wieder in Richtung Metalcore. Die vielen Wechsel zwischen den Genres werden vermutlich nicht allen gefallen, wir feiern das jedoch sehr. Thematisch wird in diesem Song eine der schwersten Nachrichten angesprochen: Suizid. Voidemolition wollen hierbei nicht nur auf das Thema aufmerksam machen, sondern auch eine Botschaft in die Welt hinaus tragen:

„Wer auch immer solche Gedanken hat soll wissen: du bist nicht alleine und es gibt Menschen, die helfen wollen und können!“

Den Abschluss macht „Holding On„. Wieder bekommen wir einen Song der alles nach Vorne wirft und das von Sekunde 0 an. Gerade diesen Enthusiasmus, den uns Voidemolition immer wieder mit an die Hand geben, macht das Album zu einem besonderen Stück Arbeit der Jungs. Für uns ist einer der wildesten Breakdowns auf diesem Track versteckt. Mal sehen, ob ihr diesen findet und dieselbe Meinung mit uns teilt. Wir haben euch hierunter bereits den Link zum neuen Musikvideo beigefügt, obwohl das Video erst am Donnerstag Premiere feiert. Tut uns einen Gefallen und klickt dort rein. Es ist jeden Penny Wert!

Und wieder haben wir einen kleinen Zusatz von Sänger Dave:

„Holding On befasst sich mit Anxiety, Angstzustände und vom täglichen Kampf, diese zu unterdrücken. Es ist alles in unserem Kopf.“

Wer wie wir jetzt noch nicht genug von Voidemolition hat, der muss nicht zwingend auf den Repeat-Button drücken. Denn die Jungs haben noch etwas Besonderes für uns vorbereitet. Auf dem physischen Tonträger findet ihr zwei weitere Bonus-Tracks. Mit „Haunting“ (einem wilden und verspielten Metalcore-Gebrüll, welches thematisch das Gefühl von Paranoia beschreibt) und „Scepter of Grief“ (Ist das noch Metalcore? Wohl eher Deathcore, wobei sich der Song PTSD/PTB, also einer post-traumatischen Stressbelastung widmet) verstecken sich zwei weitere Schmankerl. Ihr fragt euch mit Sicherheit was daran jetzt so besonders ist? Ganz klar: heutzutage preisen viele Bands nicht unbedingt den Kauf der CD an, sondern eher auch den digitalen Weg. Unter anderem finden wir dann nur auf digitalen Werken weitere Bonus-Tracks. Die Idee von Voidemolition, das ganze Ruder herum zu drehen, hat einen Pluspunkt in unserer Review verdient.

Natürlich wollen wir euch nicht alles vorweggreifen, gerade nicht die Bonus-Tracks auf der physischen Version. Denn dann würden wir bereits das ganze Holz der Band im Ofen verbrennen. Wer, wie wir oben bereits geschrieben haben, noch nicht genug von Voidemolition bekommen konnte, sollte sich jetzt eine CD schnappen.

Zu guter Letzt folgt unser Fazit zur neuen Scheibe:

Ein Debütalbum einer jungen und aufstrebenden Band zu bewerten fällt in der Regel nicht wirklich einfach. Denn oftmals befinden wir uns in einem Genre und bekommen in den meisten Fällen bei 10 von 10 Tracks wenig Abwechslung geboten. Was für den Anfang gar nicht schlimm ist, denn die Bands befinden sich dann noch in den „Kinderschuhen“ und wissen noch nicht wohin mit ihren vielen Ideen. Und dann gibt es eben da Voidemolition mit ihrer Debüt-LP „Sanity„. In eine einzige oder gar zwei verschiedene Schubladen möchten sich die Jungs nicht stecken lassen und beweisen daher dann, auf den 8 offiziellen Tracks, wahre Gestaltungsvielfalt. Wir werden selbst in ein und demselben Song von Nu-Metal in den Metalcore geschoben und umgedreht. Die melodischen Refrains in den meisten der Songs sind passend gewählt und Dave gibt sowohl mit seinen Cleans und Uncleans eine richtig gute Figur ab. Doch das soll keinesfalls heißen, dass seine Bandkollegen nicht ordentlich abliefern. Jedes Instrument wird in einem Song mit dem Scheinwerfer belichtet und darf sich in den Vordergrund spielen. Das finden wir auch wirklich klasse und beweist, dass eine Band eben nicht nur vom Sänger abhängig sein muss.

Wer also auf viele Genrewechsel in einem Album abfährt und es ebenso liebt sein Omelette jeden Morgen mit einer anderen Rafinesse zu verfeinern, der sollte bei dieser LP von Voidemolition zugreifen.

Rating: 8/10

Autor: Seb

Tracklist:

01. Insomnia
02. Whiteout
03.
Sanity
04.
Against Myself
05.
Chainless
06.
Set Me Free
07.
Broken Voice
08.
Holding On
09.
Haunting (Bonus Track – nur auf CD erhältlich)
10.
Sceptre of Grief (Bonus Track – nur auf CD erhältlich)